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Der Sohn des höchsten Vaters fand so Gefallen an deiner Schönheit (Weish 8,2); […] und in allem fand er dich ganz treu. Bevor er nämlich aus seinem lichtvollen Vaterhaus auf die Erde kam, hast du ihm eine gebührende Stätte bereitet, einen Thron, auf dem er sitze, und ein Gemach, in dem er ruhe, die ärmste Jungfrau, aus der geboren er dieser Welt erstrahlte. Bei seiner Geburt hast du dich treu bei ihm eingefunden, auf dass er in dir, nicht im Prunk, den ihm genehmen Platz finde. Er wurde, sagt der Evangelist, in eine Krippe gelegt, weil in der Herberge kein Platz für ihn war (Lk 2,7). Und so hast du ihn begleitet, ohne dich je von ihm zu trennen. Damals erschien er auf Erden und hielt sich unter den Menschen auf (Bar 3,38). Und obwohl die Füchse Höhlen haben und die Vögel des Himmels Nester, hatte er trotzdem keinen Ort, wohin er sein Haupt legen konnte (Mt 8,20). Als er dann seinen Mund öffnete zu lehren, er, der einst der Propheten Mund geöffnet hatte, hat er unter dem vielen, das er sprach, dich zuerst gelobt, dich zuerst gepriesen mit den Worten: Selig, die arm sind vor Gott, denn ihnen gehört das Himmelreich (Mt 5,3). Als er aber einige notwendige Zeugen für seine heilige Verkündigung und sein glorreiches Leben zum Heile des Menschengeschlechtes erwählte, wählte er in der Tat keine reichen Kaufleute, sondern arme Fischer, um durch solche Hochschätzung zu zeigen, du müsstest von allen geliebt werden. Schließlich sollte allen offenbar werden deine Güte, deine Hochherzigkeit, deine Tapferkeit und deine Würde, wie du alle Tugenden übertriffst, wie ohne dich keine Tugend bestehen kann und wie dein Königtum nicht von dieser Welt ist (Joh 18,36), sondern vom Himmel: Du allein bist damals dem König der Herrlichkeit verbunden geblieben, als alle seine Erwählten und Geliebten ihn furchtsam verließen. Du aber, treueste Braut, seine vielgeliebte Freundin, bist nicht einen Augenblick von ihm gewichen. Im Gegenteil, du warst ihm dann desto mehr verbunden, je mehr du ihn von allen verachtet sahst. […] Du allein brachtest ihm Trost. Du hast ihn nicht im Stich gelassen bis zum Tode, ja bis zum Tod am Kreuze (Phil 2,8). Und am Kreuze selbst, als sein Leib schon entblößt war, seine Arme ausgespannt und seine Hände und Füße durchbohrt waren, hast du mit ihm gelitten, und zwar so sehr, dass nichts an ihm herrlicher erschien als du.
In jener Zeit als Jesus und seine Jünger auf ihrem Weg weiterzogen, redete ein Mann Jesus an und sagte: Ich will dir folgen, wohin du auch gehst. Jesus antwortete ihm: Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann. Zu einem anderen sagte er: Folge mir nach! Der erwiderte: Lass mich zuerst heimgehen und meinen Vater begraben. Jesus sagte zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh und verkünde das Reich Gottes! Wieder ein anderer sagte: Ich will dir nachfolgen, Herr. Zuvor aber lass mich von meiner Familie Abschied nehmen. Jesus erwiderte ihm: Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes.
Jeden Tag, Herr, ruf’ ich zu dir; ich strecke nach dir meine Hände aus. Wirst du an den Toten Wunder tun, werden Schatten aufstehn, um dich zu preisen? Erzählt man im Grab von deiner Huld, von deiner Treue im Totenreich? Werden deine Wunder in der Finsternis bekannt, deine Gerechtigkeit im Land des Vergessens? Herr, darum schreie ich zu dir, früh am Morgen tritt mein Gebet vor dich hin. Warum, o Herr, verwirfst du mich, warum verbirgst du dein Gesicht vor mir?
Brüder, gewiss habt ihr euch bereits auf den Weg gemacht, um der Stadt entgegenzugehen, in der ihr wohnen werdet; nicht im Dickicht, sondern auf der Straße schreitet ihr voran. Ich fürchte aber, dass dieses Leben euch die Illusion vermittelt, lange zu dauern, und euch so nicht Trost, sondern vielmehr Traurigkeit bringt. Ja, ich fürchte, dass manche bei dem Gedanken, dass sie noch einen langen Weg vor sich haben, von geistlichen Mutlosigkeit befallen werden und die Hoffnung aufgeben, so viel Mühsal so lange ertragen können. Als wenn Gottes Tröstungen die Seelen der Auserwählten nicht mit viel größerer Freude ausfüllen, als es die Mühsale in ihren Herzen können! Gegenwärtig erhalten sie diese Tröstungen zwar nur in dem Maß, wie sie Mühsal ertragen; wenn sie jedoch erst einmal die Glückseligkeit erreicht haben, werden sie nicht mehr Tröstungen, sondern unendliche Wonnen zur Rechten Gottes finden (vgl. Ps 16(15),11). Lasst uns diese Rechte [= rechte Hand Gottes] ersehnen, Brüder, die uns in unserem ganzen Sein umfasst. Wünschen wir uns sehnlichst dieses Glück, damit uns die gegenwärtige Zeit im Vergleich zur Größe der Liebe Gottes kurz erscheint (was sie ja in Wirklichkeit auch ist). „Die Leiden der gegenwärtigen Zeit bedeuten nichts im Vergleich zu der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll“ (vgl. Röm 8,18). Welch wunderbare Verheißung, die wir mit unserem ganzen Wollen und Wünschen umfangen sollten.
Als die Zeit herankam, in der Jesus in den Himmel aufgenommen werden sollte, entschloss er sich, nach Jerusalem zu gehen. Und er schickte Boten vor sich her. Diese kamen in ein samaritisches Dorf und wollten eine Unterkunft für ihn besorgen. Aber man nahm ihn nicht auf, weil er auf dem Weg nach Jerusalem war. Als die Jünger Jakobus und Johannes das sahen, sagten sie: Herr, sollen wir befehlen, dass Feuer vom Himmel fällt und sie vernichtet? Da wandte er sich um und wies sie zurecht. Und sie gingen zusammen in ein anderes Dorf.
Herr, du Gott meines Heils, zu dir schreie ich am Tag und bei Nacht. Lass mein Gebet zu dir dringen, wende dein Ohr meinem Flehen zu! Denn meine Seele ist gesättigt mit Leid, mein Leben ist dem Totenreich nahe. Schon zähle ich zu denen, die hinabsinken ins Grab, bin wie ein Mann, dem alle Kraft genommen ist. Ich bin zu den Toten hinweggerafft, wie Erschlagene, die im Grabe ruhen; an sie denkst du nicht mehr, denn sie sind deiner Hand entzogen. Du hast mich ins tiefste Grab gebracht, tief hinab in finstere Nacht. Schwer lastet dein Grimm auf mir, all deine Wogen stürzen über mir zusammen.
Ijob tat seinen Mund auf und verfluchte seinen Tag. Ijob ergriff das Wort und sprach: Ausgelöscht sei der Tag, an dem ich geboren bin, die Nacht, die sprach: Ein Mann ist empfangen. Warum starb ich nicht vom Mutterschoß weg, kam ich aus dem Mutterleib und verschied nicht gleich? Weshalb nur kamen Knie mir entgegen, wozu Brüste, dass ich daran trank? Still läge ich jetzt und könnte rasten, entschlafen wäre ich und hätte Ruhe bei Königen, bei Ratsherren im Land, die Grabkammern für sich erbauten, oder bei Fürsten, reich an Gold, die ihre Häuser mit Silber gefüllt. Wie die verscharrte Fehlgeburt wäre ich nicht mehr, Kindern gleich, die das Licht nie geschaut. Dort hören Frevler auf zu toben, dort ruhen aus, deren Kraft erschöpft ist. Warum schenkt er dem Elenden Licht und Leben denen, die verbittert sind? Sie warten auf den Tod, der nicht kommt, sie suchen ihn mehr als verborgene Schätze. Sie würden sich freuen über einen Hügel; fänden sie ein Grab, sie würden frohlocken. Wozu Licht für den Mann auf verborgenem Weg, den Gott von allen Seiten einschließt?
Die Großen im Glauben rühmten sich keineswegs ihrer Macht, Wunder zu wirken. Sie bekannten, dass nicht ihr eigenes Verdienst, sondern die Barmherzigkeit des Herrn alles bewirkt habe. Wenn ihre Wunder bestaunt wurden, wiesen sie menschlichen Ruhm mit den Worten zurück, die sie von den Aposteln übernommen hatten: „Israeliten, was wundert ihr euch darüber? Was starrt ihr uns an, als hätten wir aus eigener Kraft […] bewirkt, dass dieser gehen kann?“ (Apg 3,12). Niemand sollte ihrer Meinung nach wegen der Gaben und Wunder Gottes gelobt werden. […] Manchmal geschieht es jedoch, dass Menschen, die dem Bösen zugeneigt und im Glauben tadelnswert sind, im Namen des Herrn Dämonen austreiben und Wunder wirken. Darüber beklagten sich die Apostel eines Tages: „Meister, wir haben gesehen, wie jemand in deinem Namen Dämonen austrieb, und wir versuchten, ihn daran zu hindern, weil er nicht mit uns zusammen dir nachfolgt.“ Sogleich erwiderte Christus: „Hindert ihn nicht! Denn wer nicht gegen euch ist, der ist für euch“ (Lk 9,49–50). Wenn diese Leute aber am Ende der Zeit sagen werden: „Herr, Herr, sind wir nicht in deinem Namen als Propheten aufgetreten, und haben wir nicht mit deinem Namen Dämonen ausgetrieben und mit deinem Namen viele Wunder vollbracht?“, dann – so bezeugt er – wird er ihnen antworten: „Ich kenne euch nicht. Weg von mir, ihr Übertreter des Gesetzes“ (Mt 7,22–23). Denen, die der Herr selbst mit der Ehre ausgestattet hat, Zeichen und Wunder zu wirken, gibt der Herr die Warnung, sich deswegen nicht zu erheben: „Doch freut euch nicht darüber, dass euch die Geister gehorchen, sondern freut euch darüber, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind“ (Lk 10,20). Der Urheber aller Zeichen und Wunder ruft seine Jünger dazu auf, seine Lehre zu beherzigen: „Kommt“, sagt er zu ihnen, „und lernt von mir“ – nicht, durch die Kraft des Himmels Dämonen auszutreiben, Aussätzige zu heilen, Blinden das Augenlicht wiederzugeben oder Tote aufzuerwecken, sondern er sagt: „Lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig“ (Mt 11,28).
In jener Zeit kam unter den Jüngern die Frage auf, wer von ihnen der Größte sei. Jesus wusste, was in ihrem Herzen vorging. Deshalb nahm er ein Kind, stellte es neben sich und sagte zu ihnen: Wer dieses Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat. Denn wer unter euch allen der Kleinste ist, der ist groß. Da sagte Johannes: Meister, wir haben gesehen, wie jemand in deinem Namen Dämonen austrieb, und wir versuchten, ihn daran zu hindern, weil er nicht mit uns zusammen dir nachfolgt. Jesus antwortete ihm: Hindert ihn nicht! Denn wer nicht gegen euch ist, der ist für euch.
Höre, Herr, die gerechte Sache, achte auf mein Flehen, vernimm mein Gebet von Lippen ohne Falsch! Von deinem Angesicht ergehe mein Urteil; denn deine Augen sehen, was recht ist. Prüfst du mein Herz, suchst du mich heim in der Nacht und erprobst mich, dann findest du an mir kein Unrecht. Auf dem Weg deiner Gebote gehn meine Schritte, meine Füße wanken nicht auf deinen Pfaden. Ich rufe dich an, denn du, Gott, erhörst mich. Wende dein Ohr mir zu, vernimm meine Rede! Wunderbar erweise deine Huld! Du rettest alle, die sich an deiner Rechten vor den Feinden bergen.