Tagesevangelium

Hl. Augustinus

Nach seiner Auferstehung begegnete unser Herr Jesus zweien seiner Jünger, die miteinander über das sprachen, was sich ereignet hatte. Er fragte sie: „Was sind das für Dinge, über die ihr auf eurem Weg miteinander redet? Warum seid ihr so betrübt? (Lk 24,17 Gr. Var.)“

Diese Stelle im Evangelium erteilt uns eine wichtige Lektion, sofern wir sie recht verstehen. Jesus erscheint, steht vor den Augen der Jünger – und wird nicht erkannt. Der Herr geht ein Stück Wegs mit ihnen, und er ist selbst der Weg (vgl. Joh 14,6). Aber sie sind noch nicht auf dem richtigen Weg. Als Jesus sie traf, hatten sie diesen Weg verloren. Als er, vor seinem Leiden, noch unter ihnen weilte, hatte er ihnen alles vorausgesagt: sein Leiden, seinen Tod, seine Auferstehung am dritten Tag. Alles hatte er ihnen angekündigt. Aber sein Tod hatte das alles aus ihrem Gedächtnis gelöscht. […]

„Wir hatten gehofft“, sagen sie, „dass er der sei, der Israel erlösen werde“ (21). Wie kommt es, ihr Jünger, dass ihr hofftet und jetzt nicht mehr hofft? Christus lebt doch, und in euch ist die Hoffnung gestorben? Ja, Christus lebt. Aber der lebendige Christus hat die Herzen seiner Jünger tot vorgefunden. Er tritt ihnen vor die Augen, und sie nehmen ihn nicht wahr; er zeigt sich ihnen und bleibt ihnen verborgen. […] Er geht mit ihnen und scheint ihnen zu folgen, und doch ist er es, der sie führt. Sie sehen ihn, aber erkennen ihn nicht, denn „ihre Augen“, so steht es geschrieben, „waren gehalten, sodass sie ihn nicht erkannten“ (16). Die Abwesenheit des Herrn ist keine Abwesenheit. Glaub nur, und der, den du nicht siehst, ist mit dir.

Quelle: Evangelizo

zurück