Tagesevangelium

Hl. Franz von Sales

Der hl. Petrus, einer der Apostel, fügte seinem Herrn schweres Unrecht zu; denn er verleugnete ihn und schwor, ihn nicht zu kennen. Und damit noch nicht genug, verfluchte er ihn und lästerte Gott, indem er beteuerte, nicht zu wissen, wer er sei (vgl. Mt 26,69f.). Welch schreckliches Unglück, das unseres Herrn Herz durchbohrte! O armer hl. Petrus, was tust du hier und was sagst du da? Du weißt nicht, wer er ist, du kennst ihn nicht? Bist du nicht durch ihn selbst zum Apostel berufen worden, hast du nicht bekannt, dass er der Sohn des lebendigen Gottes ist? (vgl. Mt 16,16) Du armseliger Mensch, wie kannst du es wagen zu sagen: „Ich kenne den Menschen nicht! (26,72.74)“ Ist er nicht derselbe, der erst vor kurzem vor dir kniete, um dir die Füße zu waschen (vgl. Joh 13,6), und der dich mit seinem Leib und Blut nährte? […]

Niemand soll sich seiner guten Werke rühmen und denken, nichts mehr befürchten zu müssen, denn der hl. Petrus, der so viele Gnaden erhalten hatte, der versprochen hatte, unseren Herrn bis ins Gefängnis und selbst bis in den Tod zu begleiten, er verleugnete ihn trotzdem beim leisesten Geflüster einer Hausmagd.

Als der hl. Petrus den Hahn krähen hörte, wurde ihm bewusst, was er getan, und was ihm sein guter Herr gesagt hatte; da erkannte er, dass er sich verfehlt hatte, ging hinaus und weinte so bitterlich, dass er dafür einen vollkommenen Ablass und die Vergebung aller seiner Sünden erhielt. Du glückseliger hl. Petrus, dir ist aufgrund so großer Zerknirschung über deine Sünden eine so schwere Treulosigkeit vergeben worden. […] Ich weiß wohl, dass die heiligen Blicke unseres Herrn sein Herz durchdrangen und ihm die Augen öffneten, sodass er seine Sünde erkennen konnte (vgl. Lk 22,61). […] Seither hat er nie aufgehört zu weinen, vor allem, wenn er des Nachts und am Morgen den Hahn krähen hörte. […] So ist aus dem großen Sünder ein großer Heiliger geworden.

Quelle: Evangelizo

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