Tagesevangelium

Origenes

Die Braut des Hohenliedes sagt: „Meine Narde gab ihren Duft“ (1,12 LXX) [...]; man kann aber auch lesen: „seinen Duft“. [...] Die Braut hat sich dem Bräutigam genaht und ihn mit ihren Salben gesalbt. Und es ist erstaunlicherweise so, als hätte das Nardenöl vorher, als es die Braut in Händen hielt, nicht geduftet, sondern seinen Duft erst auf dem Leib des Bräutigams verströmt.<!--more--> So scheint es, als habe nicht der Bräutigam den Duft des Salböls angenommen, sondern das Nardenöl den Duft des Bräutigams. […]

Wir wollen hier die Braut Kirche in der Person der Maria darstellen: Es heißt, dass sie ein Pfund kostbares Nardenöl bringt, damit die Füße Jesu salbt und sie dann mit ihren Haaren trocknet. So empfängt gewissermaßen auch sie selbst – über ihr Haar – einen Duft, der von der Güte und Kraft des Leibes Christi durchdrungen ist. […] Sie tränkt ihr Haupt mit einem erlesenen Duft, der weniger vom Nardenöl als vielmehr von Christus ausgeht. Und sie spricht [mit der Braut]: „Meine Narde, ausgegossen über den Leib Christi, gab mir Seinen Duft zurück.“ […]

„Und das ganze Haus wurde vom Duft des Öls erfüllt.“ Dies ist ein sicherer Hinweis, dass der Duft der Lehre, die von Christus ausgeht, und der Wohlgeruch des Heiligen Geistes das ganze Haus dieser Welt oder das Haus der ganzen Kirche erfüllt hat. Oder zumindest wurde das ganze Haus jener Seele erfüllt, die ihren Glauben wie reines Nardenöl Christus zum Geschenk machte und dafür die Gnade des Heiligen Geistes und den köstlichen Duft der geistlichen Unterweisung empfing. […] So kann auch sie sagen: „Wir sind Christi Wohlgeruch“ (2 Kor 2,15). Weil aber dieses Nardenöl erfüllt war von Glauben und kostbarer Liebe, legt Jesus für sie dieses Zeugnis ab: „Sie hat ein gutes Werk an mir getan“ (Mk 14,6).

Quelle: Evangelizo

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