Tagesevangelium

Hl. Katharina von Siena

Maria, Tempel der Dreieinigkeit, Glutofen des göttlichen Feuers, Mutter der Barmherzigkeit, […] Du bist der junge Trieb (vgl. Jes 11,1), der die Blume hervorgebracht hat, die die Welt mit ihrem Duft erfüllt, das Wort, den einzigen Sohn Gottes. Hineingesät wurde dieses Wort in dich, das fruchtbare Erdreich, (vgl. Mt 13,3ff.). Du hast das Feuer unter der Asche unserer Menschheit verborgen. Du Gefäß der Demut, in dem das Licht der wahren Weisheit brennt […] – durch das Feuer deiner Liebe, durch die Flamme deiner Demut hast Du den ewigen Vater zu dir und zu uns hingezogen. […] Aufgrund dieses Lichtes, o Maria, bist du niemals wie die törichten Jungfrauen gewesen (vgl. Mt 25,1ff.), sondern warst von der Tugend der Klugheit erfüllt. Deshalb wolltest du wissen, wie sich erfüllen kann, was der Engel dir verkündet hat. Du wusstest, dass „für Gott alles möglich ist“; du hast niemals gezweifelt. Warum also erwidern: „Ich erkenne keinen Mann“? (vgl. Lk 1,34) Nicht der Glaube war es, der dir fehlte. Was du sagtest, kam aus deiner tiefen Demut. Du hast nicht gezweifelt an der Macht Gottes; du hast dich vielmehr eines solchen Wunders unwürdig gefühlt. Wenn die Worte des Engels in dir Unruhe hervorriefen, so nicht aus Furcht. Im Lichte Gottes besehen, scheint mir, dass dies eine Form von Bewunderung war. Was aber hast du bewundert, o Maria? Die Unermesslichkeit der Güte Gottes? Im Blick auf dich selbst hieltest du dich dieser Gnade für unwürdig – und warst wie sprachlos. Deine Frage zeugt von deiner Demut. Nicht Furcht erfüllte dich, sondern allein Bewunderung angesichts der unermesslichen Güte Gottes, verglichen mit deiner Geringheit und deinem niedrigen Stand (vgl. Lk 1,48).

Quelle: Evangelizo

zurück