Es könnte jemand fragen: „Wenn Christus seinen Leib für alle dem Tod ausliefern sollte: Warum hat er ihn nicht einfach wie auf menschliche Weise verlassen? Warum ist er so weit gegangen, ihn kreuzigen zu lassen? Man könnte ja meinen, es wäre für ihn angebrachter gewesen, seinen Leib in Würde zurückzulassen, als die Schmach eines solchen Todes zu erleiden.”
Dieser Einwand ist zu menschlich. Was mit dem Retter geschah, ist wahrhaft göttlich und aus mehreren Gründen seiner Gottheit würdig.
Zunächst, weil die Menschen wegen der Schwäche ihrer Natur vom Tod ereilt werden; sie können nicht lange leben, sie verfallen mit der Zeit. Sie werden von Krankheiten heimgesucht, und wenn ihre Kraft am Ende ist, sterben sie. Der Herr aber ist nicht schwach; er ist die Kraft Gottes, das Wort und das Leben selbst. Wenn er seinen Leib bei sich zuhause, in einem Bett, nach Menschenart zurückgelassen hätte – man hätte gedacht, […] dass er nichts habe, wodurch er mehr sei als andere Menschen. […] Krankheit passte nicht zum Herrn, der ja die Krankheiten anderer heilte. […]
“Warum hat er den Tod nicht von sich abgehalten, wie er die Krankheit von sich abhielt?” Weil er ja gerade dafür im Besitz eines Leibes war; und wie hätte er denn sonst auferstehen können? „Aber”, könnte einer sagen, „er hätte sich, um seinen Leib ganz unsterblich zu bewahren, dem Anschlag seiner Feinde entziehen sollen.” Solch einer soll wissen, dass auch das nicht zum Herrn passte. Wie es nicht angemessen war, dass das Wort Gottes, weil es das Leben selbst ist, seinem Leib aus eigener Initiative den Tod zufügte, so wenig war es angemessen, dass er dem Tod durch die Hand anderer aus dem Weg ging. […] Eine solche Haltung war keineswegs ein Zeichen der Schwäche des Wortes, sondern machte ihn als Retter und Leben erkennbar. […] Der Retter kam nicht, um seinen eigenen Tod, sondern den der Menschen zu durchleiden.
Quelle: Evangelizo