Tagesevangelium

Hl. Josémaria Escriva de Balaguer

Für den heiligen Josef war das Leben Jesu eine fortlaufende Entdeckung seiner eigenen Berufung. […] Die ersten Lebensjahre Jesu waren voll von scheinbar widersprüchlichen Umständen: Verherrlichung und Flucht, die Würde der Sterndeuter und die Armut der Krippe, der Gesang der Engel und das Schweigen der Menschen. In dem Moment, als das Kind im Tempel dargestellt werden soll, erlebt Josef, der mit einem Paar Turteltauben ein bescheidenes Opfer darbringt, wie Simeon und Anna Jesus als den Messias verkünden. „Sein Vater und seine Mutter staunten über die Worte, die über Jesus gesagt wurden“, schreibt der heilige Lukas (2, 33). Später, als das Kind im Tempel blieb, ohne dass Maria oder Josef es merkten, waren sie, so berichtet uns derselbe Evangelist, „voll Staunen“, als sie ihn nach dreitägiger Suche fanden (2, 48).

Josef ist überrascht und staunt. Nach und nach enthüllt Gott ihm seine Pläne, und Josef bemüht sich, sie zu verstehen. Wie jede Seele, die Jesus nachfolgen will, entdeckt er sehr bald, dass er keine gemächliche Gangart einschlagen kann, dass es keinen Platz für Routine gibt. Auf einem bestimmten Niveau stehen zu bleiben und sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen, genügt Gott nicht. Er verlangt unaufhörlich mehr, und seine Wege sind nicht die unsrigen. Der heilige Josef hat wie kein anderer Mensch von Jesus gelernt, Seele und Herz zu öffnen und wachsam zu bleiben, um die Wunder Gottes zu erkennen. Wenn Josef aber von Jesus gelernt hat, auf himmlische Weise zu leben, dann erlaube ich mir zu sagen, dass er auf menschlicher Ebene dem Sohn Gottes vieles beigebracht hat. […] Josef hat sich dieses Kindes angenommen, wie es ihm aufgetragen worden war, hat seinen Beruf an ihn weitergegeben und aus ihm einen Handwerker gemacht. […] Auf menschlicher Ebene war Josef der Meister Jesu. Tagein, tagaus umgab er ihn mit zärtlicher Zuneigung, umsorgte ihn mit freudiger Selbstlosigkeit. Ist das nicht ein guter Grund, in diesem gerechten Mann (vgl. Mt 1, 19), diesem heiligen Patriarchen, in dem der Glaube des Alten Bundes gipfelt, einen Meister des inneren Lebens zu sehen?

Quelle: Evangelizo

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