Tagesevangelium

Hl. John Henry Newman

Wenn wir unser Augenmerk darauf richten, wie sich der Retter während seines irdischen Lebens verhalten hat, sehen wir, dass er seine Identität als Sohn Gottes absichtlich verschleiert und trotzdem gleichzeitig offenbart hat. Er wollte offensichtlich, dass man sich an ihr erfreue, jedoch nicht sogleich: Als ob seine Worte zwar bereits ihre Gültigkeit haben sollten, es aber auch eine gewisse Zeit dauern würde, bis sie ihre volle Klarheit erhalten. Es ist als ob sie auf seine Wiederkunft warten müssten, die sowohl Christus als auch seine Worte ins volle Licht setzen wird. […] Unter seinen Jüngern war er „wie der, der bedient“ (Lk 22,27). Die Apostel begriffen offensichtlich erst nach seiner Auferstehung – und vor allem nach seiner Himmelfahrt, als der Heilige Geist herabkam – wer bei ihnen gewesen war. […]

Oft kommt es vor, sowohl in der Heiligen Schrift als auch im Leben, dass wir die Gegenwart Gottes nicht wahrnehmen, wenn sie bei uns ist, sondern erst danach, wenn wir zurückblicken und uns bewusst wird, was damals geschehen ist. […] Welch wunderbare Vorsehung, die sich so still zurücknimmt und dennoch so wirksam ist, so beständig und vor allem so unfehlbar! Und das macht den Satan völlig hilflos; er sieht nur den Ablauf der Geschehnisse, nicht aber die darin wirkende Hand Gottes […]; vor der majestätischen, gelassenen Stille, der unerschütterlichen, heiligen Ruhe, die in der Vorsehung Gottes waltet, sind die vielen Mittel, die er anwendet, wirkungslos. […]

Die Hand Gottes wacht immer über die Seinen, und Gott führt sie auf einem Weg, den sie nicht kennen. Glauben ist alles, was sie tun können. Später werden sie sehen, was sie jetzt nicht sehen. Durch diesen Glauben sind sie Mitarbeiter an den göttlichen Vorhaben.

Quelle: Evangelizo

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