„Komm vom Libanon, Braut, komm vom Libanon! Du wirst kommen und hindurchkommen vom Beginn des Glaubens, vom Gipfel des Sanir und des Hermon, von den Lagern der Löwen, von den Bergen der Leoparden“ (vgl. Hld 4,8 LXX, die G. von Nyssa benutzte). Was bedeutet das? Die Quelle der Gnade zieht immer jene an, die durstig sind, wie die Quelle selbst im Evangelium sagt: „Wer Durst hat, komme zu mir und […] trinke!“ (Joh 7,37). Er hat hier weder dem Durst, noch dem Verlangen nach Ihm, noch der Stillung des Durstes eine Grenze gesetzt. Vielmehr bildet die durative [Dauerhaftigkeit ausdrückende] Formulierung seiner Aufforderung eine beständige Einladung, Durst zu haben, zu trinken und uns nach Ihm auszustrecken.
Wer schon getrunken und durch diese Erfahrung verstanden hat, wie süß der Herr ist (vgl. 1 Petr 2,3), wird durch das Trinken zu immer noch größerer Teilhabe aufgerufen, so wie jemand, der [einen Berg] hinaufsteigt, immer wieder neu durch einen Zuruf aufgefordert wird, weiter emporzusteigen. Erinnern wir uns daran, wie das göttliche Wort die Braut immer wieder angespornt hat […]: „Komm, meine Liebste“, sagt er, und noch einmal: „Komm, du, meine Taube in der Felskluft“ (vgl. Hld 2,13-14 LXX).
Unser Text lautet: „Du wirst kommen und hindurchkommen vom Beginn des Glaubens, vom Gipfel des Sanir und des Hermon.“ Hier ist vom Sakrament der „Geburt von oben“ die Rede. Denn dort, so sagt man, entspringen die Quellen des Jordan. Oberhalb der Quellen erhebt sich der Berg, der in zwei Gipfel geteilt ist: Sanir und Hermon. Und der Fluss, der aus diesen Quellen entspringt, ist für uns der Beginn der Umwandlung in Gott. Deshalb hört die Seele, wie er sie zu sich ruft: „Komm vom Libanon, vom Beginn des Glaubens“, von diesen Berggipfeln, von denen die Quellen des Sakraments ausgehen und zu dir gekommen sind.
Quelle: Evangelizo