„Es ist umsonst, dass ihr vor Tagesanbruch aufsteht“, heißt es in einem Psalm (126(127),2 Vulg.). […] So waren die Söhne des Zebedäus, die sich bereits ihre Plätze ausgesucht hatten – der eine zu seiner Rechten, der andere zu seiner Linken –, bevor sie sich in Gleichförmigkeit mit der Passion des Herrn der Erniedrigung unterzogen hatten. Sie wollten „vor Tagesanbruch aufstehen“. […] Auch Petrus war vor Tagesanbruch aufgestanden, als er dem Herrn den Rat gab, nicht das Leiden für uns auf sich zu nehmen. Denn der Herr hatte von seinem Leiden gesprochen, das uns retten sollte, und von seinen Demütigungen. Da wurde Petrus, der kurz vorher noch bekannt hatte, dass Jesus der Sohn Gottes sei, bei dem Gedanken an seinen Tod von Angst ergriffen und sagte zu ihm: „Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mir dir geschehen“ (Mt 16,22). Er wollte vor Tagesanbruch, also vor dem Licht aufstehen und dem Licht Ratschläge erteilen. Doch was macht der Herr? Er ließ ihn nach dem Licht aufstehen, indem er ihm sagte: „Geh hinter mich!“ […] „Geh hinter mich, damit ich vor dir hergehe und du mir folgst. Geh auf dem Weg, den ich gehe, anstatt mir den Weg zeigen zu wollen, den du gehen willst.“ […]
Warum also, ihr Zebedäussöhne, wollt ihr vor Tagesanbruch aufstehen? Das ist die Frage, die man ihnen stellen muss. Sie werden darüber nicht erzürnt sein, denn diese Dinge wurden über sie geschrieben, damit wir anderen uns vor dem Hochmut hüten, in den sie gefallen sind. Warum wollt ihr vor Tagesanbruch aufstehen? Es ist umsonst. Wollt ihr eure Erhöhung vor der Erniedrigung? Sogar euer Herr, der euer Licht ist, hat sich erniedrigt, um erhöht zu werden. Hört, was Paulus sagt: „Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, Gott gleich zu sein, sondern er entäußerte sich, war gehorsam wie ein Sklave, und den Menschen gleich. […] Er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz. Darum hat ihn Gott über alle erhöht […]“ (Phil 2,6 ff.).
Quelle: Evangelizo