Tagesevangelium

Hl. Jean-Baptiste Marie Vianney

Meine Brüder, wie können wir es wagen, jemanden zu richten und zu verurteilen, selbst wenn wir gesehen haben, wie er eine Sünde begangen hat? Wer gestern noch ein Sünder war, kann heute ein reuiger Heiliger sein. Wenn wir viel Böses in unserem Nächsten sehen, lasst uns zumindest sagen: „Ach, hätte der liebe Gott mir nicht mehr Gnade gewährt als ihm, wäre ich vielleicht noch weiter gegangen.“ Ja, meine Brüder, voreiliges Urteilen führt unweigerlich zum Ruin und zum Verlust der christlichen Nächstenliebe. […] Unser Herr sagt uns: „Richtet nicht, dann werdet ihr auch nicht gerichtet werden. Mein Vater wird euch so behandeln, wie ihr andere behandelt habt; ihr werdet mit dem Maß gemessen werden, mit dem ihr andere gemessen habt“ (vgl. Mt 7,1-2).

Außerdem, meine Brüder, wer von uns wäre glücklich darüber, wenn man seine Taten oder Worte schlecht beurteilen würde? Niemand. Sagt unser Herr nicht: „Was ihr nicht wollt, dass man euch tut, das tut auch keinem anderen“ (vgl. Mt 7,12)? Ach! Meine Brüder, wie viele Sünden begehen wir auf diese Weise! Ach, wie viele gibt es, die sich dessen nicht bewusst sind und sich daher nie dafür angeklagt haben! Mein Gott, wie viele Menschen sind verdammt, weil sie sich nicht belehren lassen oder nicht über ihre Lebensweise nachdenken!

Quelle: Evangelizo

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