Tagesevangelium

Ludwig-Maria Grignion de Montfort

Alle Augen mögen sich schließen, aus Furcht, von einem so hellen und strahlenden Licht geblendet zu werden. Alle Zungen mögen schweigen, aus Furcht, eine so vollkommene Schönheit zu trüben, wenn sie sie entdecken wollen. Hier muss jeder Geist sich selbst erniedrigen und anbeten, aus Furcht, von dem ungeheuren Gewicht der Herrlichkeit der göttlichen Weisheit erdrückt zu werden, wenn er sie ergründen will.

Allerdings gibt uns der Heilige Geist, um sich unserer Schwäche anzupassen, im Buch der Weisheit, das er nur für uns verfasst hat, folgende Vorstellung davon: Die ewige Weisheit ist „reiner Ausfluss der Herrlichkeit des Allherrschers; darum dringt nichts Verunreinigtes in sie ein. Sie ist der Widerschein des ewigen Lichts, der ungetrübte Spiegel von Gottes Kraft, das Bild seiner Güte“ (Weish 7,25–26) […].

An dieser höchsten Schönheit der Weisheit hat Gott, der Vater, in Zeit und Ewigkeit sein Wohlgefallen gefunden, wie er selbst am Tag der Taufe Christi und bei seiner Verklärung ausdrücklich bezeugte: „Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe“ (Mt 3,17; 17,5).

Um den Menschen ganz nahe zu sein und ihnen einen noch deutlicheren Beweis ihrer Liebe zu geben, ging die ewige Weisheit sogar so weit, Mensch zu werden, Kind zu werden, arm zu werden und für die Menschen am Kreuz zu sterben.

Quelle: Evangelizo

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