Worin die Liebe vollendet wird, das habt ihr gehört: Ihr Ziel und Maß hat der Herr selbst im Evangelium nahegelegt: „Es gibt keine größere Liebe“, sagt er, „als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt“ (Joh 15,13). Und in seinem Brief fordert uns der heilige Johannes auf, diese Vollkommenheit zu erreichen. Doch ihr fragt euch: Können wir je diese Liebe haben? Verzweifle nicht vorschnell! Vielleicht ist sie schon geboren, aber nur noch nicht vollendet; nähre sie, damit sie nicht erstickt! Doch du wirst mir sagen: Woher kann ich das wissen, dass sie schon in mir geboren ist?
Von der Vollendung der Liebe haben wir gehört; hören wir nun über ihren Anfang. Johannes schreibt: „Wenn jemand die Güter dieser Welt hat und sein Herz vor dem Bruder verschließt, den er in Not sieht, wie kann die Liebe Gottes in ihm bleiben?“ (1 Joh 3,17). Hier siehst du, wo die Liebe ihren Anfang nimmt! Wenn du noch nicht bereit bist, für den Bruder zu sterben, so solltest du doch wenigstens bereit sein, dem Bruder von deinen Gütern mitzuteilen. Möge die Liebe dein Herz bewegen, damit du nicht aus Ruhmsucht, sondern aus lauterster Barmherzigkeit handelst, dass du nur ihn in seiner Bedürftigkeit siehst. Denn wenn du dem Bruder nicht einmal von deinem Überfluss geben kannst, wie könntest du dann für ihn dein Leben einsetzen? […]
Wenn die Liebe des Vaters keinen Raum in dir hat, bist du nicht aus Gott geboren. Wie kannst du dich da rühmen, ein Christ zu sein? Den Namen hast du wohl, die Taten hast du nicht. Wenn aber mit dem Namen die Taten übereinstimmen, dann mag dich jemand noch so sehr einen Heiden schelten – du wirst dich durch die Tat als Christ erweisen! Wenn du dich dagegen nicht durch Taten als Christ erweist – mögen dich auch alle als einen Christen bezeichnen –, was nützt dir der Name, wenn die Wirklichkeit nicht vorhanden ist? […] „Meine Kinder, wir wollen nicht mit Wort und Zunge lieben, sondern in Tat und Wahrheit.“ (1 Joh 3,18)
Quelle: Evangelizo