Tagesevangelium

Tertullian

„Die Stunde kommt“, sagt er, „zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit“ (Joh 4,23), und er sucht solche Anbeter. Wir sind wahre Anbeter und wahre Priester, wenn wir im Geist beten und so Gott unser Gebet als Opfer darbringen, als das Opfer, das er sich vorbehalten hat und das ihm wohlgefällt, jenes Opfer eben, das er verlangt und vorbereitet hat. Dieses Opfer, das aus tiefstem Herzen dargebracht wird und sich, vom Glauben genährt, in der Wahrheit emporschwingt, rein und unschuldig, aufrichtig und lauter, von Liebe gekrönt – dieses Opfer müssen wir im Geleit guter Taten, unter Psalmen und Hymnen zum Altar Gottes bringen, und es wird uns alles von Gott erwirken.

Sollte Gott einem Gebet, das im Geist und in der Wahrheit zu ihm emporsteigt, etwas verweigern, wo er doch selbst dies verlangt hat? Wir lesen, hören und glauben so viele Zeugnisse seiner Wirksamkeit! Schon das alte Gebet rettete vor Feuer, vor Bestien, vor Hungersnot; und das, obwohl es doch seine Form nicht von Christus erhalten hatte. Um wie viel größer ist daher die Wirksamkeit des christlichen Gebets! Es sendet keine Engel aus, um die Flammen zu löschen, es verschließt nicht die Mäuler der Löwen, es bringt den Hungrigen keine Nahrung, es beseitigt keine sinnlichen Leidenschaften durch eine Gnadengabe; aber es lehrt jene, die Schmerzen erdulden, Geduld und schenkt ihnen den Glauben, der sie begreifen lässt, was der Herr denen bereithält, die um des Namens Gottes willen leiden. […] Alle Geschöpfe beten. Haustiere und wilde Tiere beten und beugen ihre Knie. Wenn sie ihre Ställe oder Höhlen verlassen, erfüllen sie nicht ohne Grund die Luft mit ihren Schreien. Selbst die Vögel, die am Himmel fliegen, breiten ihre Flügel in Form eines Kreuzes aus und rufen etwas, das einem Gebet ähnelt. Was kann man noch zur Würdigung des Gebets sagen? Der Herr selbst hat gebetet, ihm sei Ehre und Macht in alle Ewigkeit.

Quelle: Evangelizo

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