Tagesevangelium

Hl. Bernhard von Clairvaux

Warum sollte das Fasten Christi nicht für alle Christen gelten? Warum sollten die Glieder nicht ihrem Haupt folgen? (vgl. Kol 1,18). Wenn wir von diesem Haupt Wohltaten empfangen haben, sollten wir dann nicht auch teilhaben an seiner Not? Wollen wir uns seiner Traurigkeit verweigern und nur seine Freuden mit ihm teilen? Wenn dem so ist, erweisen wir uns als unwürdig, ein Leib mit diesem Haupt zu bilden. Denn alles, was er gelitten hat, hat er für uns gelitten. Wenn wir uns weigern, an unserem Heil mitzuwirken, wie wollen wir uns dann als seine Gehilfen erweisen? Mit Christus zu fasten ist eine Kleinigkeit für den, der sich mit Christus an den Tisch des Vaters setzen darf. Glücklich das Glied, das sich in allem diesem Haupt verschrieben hat und ihm überallhin folgt (vgl. Offb 14,4). Andernfalls, wenn es vom Haupt abgetrennt würde, wäre es sogleich seines Lebensatems beraubt. […]

Dir ganz anzugehören ist ein Gut, o du glorreiches und in alle Ewigkeit gebenedeites Haupt, welches zu sehen auch die Engel verlangen (vgl. 1 Petr 1,12). Ich werde dir folgen, wohin du auch gehst. Wenn du durch Feuer gehst, lasse ich nicht von dir und fürchte kein Unheil, denn du bist bei mir (vgl. Ps 22 (23),4). Du erträgst meine Schmerzen und leidest für mich. Du bist als Erster den schmalen Pfad des Leidens gegangen, um den Gliedern, die dir folgen, einen weiten Eingang zu ermöglichen. „Was kann uns scheiden von der Liebe Christi?“ (Röm 8,35). […] Diese Liebe ist das „Salböl, das vom Haupt hinabfließt auf den Bart, das auf den Saum seines Gewandes hinabfließt“ (Ps 132 (133),2), um auch die kleinste Faser zu salben. Im Haupt befindet sich die Fülle der Gnaden, von ihm empfangen wir sie alle. Im Haupt ist die ganze Barmherzigkeit, im Haupt der Überfluss des geistlichen Salböls, wie geschrieben steht: „Gott hat dich gesalbt mit dem Öl der Freude“ (Ps 44 (45),8). […]

Und was verlangt das Evangelium von uns, jetzt am Beginn der Fastenzeit? „Du aber salbe dein Haupt, wenn du fastest“ (vgl. Mt 6,17). Welch wunderbares Entgegenkommen! Der Geist des Herrn ruht auf ihm, er hat ihn gesalbt (vgl. Lk 4,18), und doch sagt er den Armen, um ihnen die frohe Botschaft zu verkünden: „Salbe dein Haupt mit Öl“.

Quelle: Evangelizo

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