Das absichtlich verübte Böse ist eine Frucht des freien Willens; nun sündigen wir zweifellos mit Absicht, wie der Prophet an einer Stelle deutlich ausdrückt: „Ich hatte dich als Edelrebe gepflanzt, als gutes, edles Gewächs. Wie hast du dich gewandelt zum Wildling, zum entarteten Weinstock?“ (Jer 2,21). Ist die Pflanze gut, die Frucht aber schlecht, dann muss das Böse absichtlich entstanden sein. Der Pflanzer ist nicht daran schuld; der Weinstock aber wird ein Fraß des Feuers werden, denn obgleich er gepflanzt wurde, um gute Früchte zu tragen, brachte er aus freiem Willen schlechte hervor. „Gott hat die Menschen recht gemacht“, wie es im Buch Kohelet heißt, „sie aber haben sich in allen möglichen Berechnungen versucht“ (Koh 7,29). „Denn seine Geschöpfe sind wir, […] zu guten Werken erschaffen“ (Eph 2,10), sagt der Apostel. Der Schöpfer, der gut ist, hat also zu guten Werken erschaffen, das Geschöpf aber hat sich aus eigener Entscheidung dem Bösen zugewandt.
Wie gesagt, ist die Sünde ein schreckliches Übel. Sie ist jedoch nicht unheilbar: Schrecklich ist sie für den, der in ihr verharrt, doch leicht zu heilen für den, der sich durch Buße von ihr lossagt. […] Aber nun wird man fragen. Was ist denn die Sünde? Ist sie ein Lebewesen oder ein Dämon? Wo liegt ihr Ursprung? Sie ist, o Mensch, kein Feind, der dich von außen angreift, sondern eine schlechte Frucht, die in dir selbst heranwächst. Schau mit reinen Blicken, dann gibt es keine Begierde. Behalte, was dir gehört, und nimm nicht, was anderen gehört, und schon ist die Habgier besiegt. Denk an das Gericht, dann werden weder Unzucht noch Ehebruch, weder Mord noch irgendeine Form von Ungehorsam Macht über dich gewinnen.Wenn du jedoch Gott vergisst, dann fängst du an, Böses zu denken und Unrecht zu tun.
Quelle: Evangelizo