Tagesevangelium

Hl. Hildegard von Bingen

Auch alle Gläubigen betrachten mit weitem Herzen die Größe der Macht Gottes und blicken auf die Unbeständigkeit ihres Geistes und die Schwäche ihres Fleisches; und so bringen sie alles, was sie tun, ins rechte Maß, damit sie nicht dadurch versagen, dass sie in den höheren oder niederen notwendigen Verrichtungen das rechte Maß überschreiten. So mahnt auch Paulus die Gläubigen, wenn er sagt: „Tut alles ohne Murren und Bedenken, damit ihr ohne Tadel seid und schlichte Kinder Gottes ohne Makel, mitten in einer verdorbenen und verwirrten Generation; unter ihr leuchtet ihr als Lichter in der Welt, indem ihr festhaltet am Wort des Lebens“ (Phil 2,14-16). Das ist so zu verstehen: Der Mensch steht gleichsam an einem Scheideweg: Wenn er im Licht das Heil von Gott sucht, wird er es erhalten; wenn er aber Böses wählt, wird er dem Teufel zur Bestrafung folgen. Deshalb soll der Mensch seine menschliche Natur und all seine Werke ohne Murren, das heißt ohne die Geschwüre der Sünden und ohne Zögern tragen, da er ja den vollkommenen Glauben hat. Wenn er das Gute liebt und das Böse hasst, soll er nicht daran zweifeln, dass er im kommenden Gericht befreit und von den Verlorenen getrennt wird, die sich vom Guten abwenden, indem sie das Böse umfassen. Die das [Gute] tun, werden niemanden verletzen und ohne das Geschrei trotziger Klage sein; sie werden auch in der Einfalt der guten Werke als Kinder Gottes leben und fern aller List der Verführung unangefochten gegenüber den Einschätzungen jener bleiben, die sich rühmen, in schlechten und verkehrten Taten stark zu sein. Unter ihnen leuchten sie in der Vollkommenheit des wahren Glaubens wie die Sterne, die ihrem Auftrag gemäß, wie der Schöpfer des Alls sie anordnete, das Weltall erleuchten. Durch diese ihre Lehre, die auf das Leben Rücksicht nimmt, bekehren sie möglichst viele zu Gott, wie auch der Sohn Gottes, frei von Sünde, allen in der Welt leuchtete

Quelle: Evangelizo

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