Kein Zweifel: Der heilige Johannes hat Gefängnis und Ketten ertragen zum Zeugnis für Jesus Christus, unsern Erlöser. Ihm ging er voran und hat für ihn das Leben hingegeben. Von Johannes verlangte der Verfolger nicht, Christus zu verleugnen, sondern die Wahrheit zu verschweigen; dennoch ist er für Christus gestorben. Christus hat selbst gesagt: „Ich bin die Wahrheit“ (Joh 14,6), und so vergoss Johannes sein Blut für Christus, weil er es für die Wahrheit tat. Durch Geburt, Predigt und Taufe legte er Zeugnis ab für Christus, der nach ihm geboren wurde, der nach ihm predigte und von ihm getauft wurde. Auch auf das Leiden Christi wies er hin; denn er hat vor ihm gelitten. […]
Solche Größe besaß der Mann, der nach dem Leiden einer langen und Gefangenschaft sein irdisches Leben im Vergießen seines Blutes beendete. Er, der die Freiheit eines überirdischen Friedens verkündigt, wird von den Gottlosen in Ketten gelegt. Er wird in das Dunkel des Kerkers eingeschlossen, er, der gekommen war, „um Zeugnis abzulegen für das Licht” (Joh 1,7) […]. In seinem eigenen Blut wird der getauft, der den Erlöser der Welt taufen durfte, der über ihm die Stimme des Vaters hörte und sah, wie die Gnade des Heiligen Geistes auf ihn herabkam. […]
Treffend sagt der Apostel [Paulus]: „Euch wurde die Gnade zuteil, nicht nur an Christus zu glauben, sondern auch seinetwegen zu leiden“ (vgl. Phil 1,29). Dass die Auserwählten für Christus leiden, nennt er deshalb ein Geschenk Christi, wie er auch sagt: „Ich bin überzeugt, dass die Leiden der gegenwärtigen Zeit nichts bedeuten im Vergleich zu der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll“ (Röm 8,18).
Quelle: Evangelizo