Tagesevangelium

Brief an Diognet

Was die Seele im Leib ist, das sind die Christen in der Welt. Wie die Seele in allen Gliedern des Leibes vorhanden ist, so die Christen in den Städten der Welt. Die Seele wohnt zwar im Leib, stammt aber nicht vom Leib, so wie die Christen in der Welt, aber nicht von der Welt sind (vgl.<!--more--> Joh 17,16). Die unsichtbare Seele ist vom sichtbaren Leib umschlossen; so verhält es sich auch mit den Christen: Man sieht, wie sie in der Welt leben, doch die Verehrung, die sie Gott darbringen, bleibt unsichtbar. Das Fleisch hasst die Seele und bekämpft sie, ohne dass diese ihm etwas zuleide getan hätte, nur weil die Seele das Fleisch daran hindert, seinen Lüsten zu frönen. Ebenso hasst die Welt die Christen, die ihr nichts zuleide tun, nur weil diese sich ihren Vergnügungen widersetzen. Die Seele liebt dieses ihr feindlich gesinnte Fleisch und alle seine Glieder, so wie die Christen jene lieben, von denen sie gehasst werden.

Die Seele ist im Körper gefangen, doch ist sie es, die den Leib zusammenhält. So sind auch die Christen gleichsam im Kerker der Welt gefangen, doch gerade sie sind es, die die Welt zusammenhalten. Die unsterbliche Seele wohnt in einem sterblichen Zelt; so zelten auch die Christen in der vergänglichen Welt, während sie die Unvergänglichkeit im Himmel erwarten (vgl. 1 Kor 15,50). […] Gott hat ihnen eine solch hohe Aufgabe übertragen, dass es ihnen nicht gestattet ist, diese zu verlassen.

Quelle: Evangelizo

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