Tagesevangelium

Hl. Bonaventura

Zur Gewissheit des offenbarten Glaubens kann man nur durch das Kommen Christi im Geist gelangen. Dann kommt er auch im Fleisch als das Wort, das alle Worte der Propheten bestätigt. Daher heißt es im Brief an die Hebräer: „Vielfältig und auf vielerlei Weise hat Gott einst […] gesprochen durch die Propheten; am Ende dieser Tage hat er zu uns gesprochen durch den Sohn“ (1,1−2). Dass Christus wirklich das machtvolle Wort des Vaters ist, erfahren wir bei Kohelet: „Hinter dem Wort des Königs steht nun einmal die Macht. Wer also kann ihm sagen: Was tust du?“ (Koh 8,4). Christus ist auch das Wort voll Wahrheit, ja mehr noch: die Wahrheit selbst, wie Johannes schreibt: „Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit“ (Joh 17,17). […]

Weil nun Autorität auf machtvoller und wahrhaftiger Rede beruht, und Christus das Wort des Vaters und somit Gottes Kraft und Weisheit ist (vgl. 1 Kor 1,24), ist in ihm die ganze Festigkeit der Autorität begründet und vollendet. Daher richten sich alle authentischen Schriften und ihre Verkünder auf den im Fleisch gekommenen Christus als das Fundament [den Grund] des gesamten christlichen Glaubens aus: „Der Gnade Gottes entsprechend, die mir geschenkt wurde, habe ich wie ein weiser Baumeister den Grund gelegt. […] Denn einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist: Jesus Christus“ (1 Kor 3,10−11). Er ist wirklich das Fundament der wahren Lehre, sowohl der apostolischen als auch der prophetischen, gemäß dem einen wie dem anderen Gesetz: dem neuen und dem alten. Deshalb wurde zu den Ephesern gesagt: „Ihr seid auf das Fundament der Apostel und Propheten gebaut; der Schlussstein ist Christus Jesus selbst“ (2,20). Es ist also klar, dass Christus, dem Glauben entsprechend, der Meister der Erkenntnis ist und zwar insofern er der Weg ist, gemäß seinem zweifachen Kommen: im Geist und im Fleisch.

Quelle: Evangelizo

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