Tagesevangelium

Benedikt XVI.

Am Fluss Jordan offenbart sich Jesus in einer außergewöhnlichen Demut, welche die Armut und die Einfachheit des in der Krippe ruhenden Kindes in Erinnerung ruft, und nimmt die Haltung vorweg, mit denen er am Ende seiner Tage auf Erden dazu kommen wird, die Füße der Jünger zu waschen und die schreckliche Erniedrigung des Kreuzes zu erfahren. Der Sohn Gottes, er, der ohne Sünde ist, stellt sich mitten unter die Sünder, er zeigt, dass Gott dem Weg der Umkehr des Menschen nahesteht. Jesus nimmt die Last der Schuld der ganzen Menschheit auf seine Schultern, er beginnt seine Sendung, indem er an ihre Stelle tritt, an die Stelle der Sünder, in der Perspektive des Kreuzes.

Während er ins Gebet versunken nach der Taufe aus dem Wasser steigt, öffnet sich der Himmel. Es ist dies der von den Scharen der Propheten erwartete Augenblick. „Reiß doch den Himmel auf und komm herab!“, hatte Jesaja ausgerufen (63,19). In diesem Augenblick kommt […] jenes Gebet zur Erfüllung. Denn „während er betete, öffnete sich der Himmel, und der Heilige Geist kam […] auf ihn herab“ (Lk 3,21-22); nie zuvor vernommene Worte waren zu hören: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden“ (V. 22). […] Der Vater, der Sohn und der Heilige Geist kommen zu den Menschen herab und offenbaren uns ihre rettende Liebe. Waren es die Engel, die den Hirten die Botschaft von der Geburt des Heilands überbrachten, und der Stern den Sterndeutern, die aus dem Osten gekommen sind, so ist es nun die Stimme des Vaters selbst, der den Menschen die Gegenwart seines Sohnes in der Welt zeigt und sie einlädt, auf die Auferstehung, auf den Sieg Christi über die Sünde und den Tod zu blicken.

Quelle: Evangelizo

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