Tagesevangelium

Origenes

Wir bewundern Johannes den Täufer vor allem wegen folgenden Zeugnisses: „Unter den von einer Frau Geborenen gibt es keinen größeren als Johannes“ (Lk 7,28). Zu Recht war er hochgeschätzt um seiner Tugend willen, so dass viele Leute überlegten, ob er nicht vielleicht selbst der Messias sei (vgl. Lk 3,15). Aber es gibt noch etwas viel Bewundernswerteres: Der Tetrarch Herodes hatte königliche Macht und konnte ihn töten lassen, wann immer er wollte. Nun hatte Herodes aber ein Unrecht begangen und dem mosaischen Gesetz zuwidergehandelt, indem er die Frau seines Bruders geheiratet hatte. Johannes tadelte Herodes dafür mit der Freiheit der Propheten und warf ihm seine Heirat vor, ohne sich zu fürchten, ohne Ansehen der Person, ohne sich um königliche Macht zu kümmern, ohne Furcht vor dem Tod […] und zwar im vollen Bewusstsein der damit verbundenen Gefahren. Wegen dieser Kühnheit wird er ins Gefängnis geworfen. Er liegt in Ketten, sorgt sich aber weder um den Tod noch um sein ungewisses Urteil. Seine Gedanken gehen zu Christus, den er angekündigt hatte.

Da er ihn nicht persönlich aufsuchen kann, schickt er seine Jünger und lässt sie fragen: „Bist du der, der kommen soll, oder sollen wir auf einen andern warten?“ (Lk 7,19). Beachtet, dass Johannes sogar im Gefängnis noch lehrte. Selbst an diesem Ort hatte er Jünger; selbst im Gefängnis nahm er seine Aufgabe als Lehrer wahr und unterwies seine Jünger in geistlichen Gesprächen. Das war die Situation, in der nun die Frage nach Jesus gestellt wird, und Johannes schickt einige Jünger zu ihm. […]

Die Jünger kehren zurück und berichten ihrem Meister, was der Erlöser ihnen zu verkünden aufgetragen hatte. Diese Antwort wird für Johannes die Waffe, mit der er den Kampf aufnimmt. Er stirbt mit Zuversicht und lässt sich hochherzig enthaupten, überzeugt durch das Wort des Herrn persönlich, dass der, an den er geglaubt hat, wirklich der Sohn Gottes ist. Dies war die Freiheit Johannes des Täufers, und jene die Torheit des Herodes, der seinen zahlreichen Verbrechen zuerst die Gefangennahme und dann die Ermordung des Täufers hinzufügte.

Quelle: Evangelizo

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