[Eines Tages hatten sich alle Mönche um Antonius versammelt, um sein Wort zu hören. Er sprach mit der Zuversicht eines Propheten zu ihnen:] „Die Heilige Schrift ist zwar hinreichend zur Belehrung; für uns aber ist es gut, wenn wir einander im Glauben ermuntern und mit dem Balsam guter Lehren salben. Ihr sollt wie Kinder alles vor den Vater bringen und ihm sagen, was ihr wisst. Ich dagegen, der ich älter bin als ihr, teile euch mit, was ich weiß und was ich erfahren habe.
Vor allem aber soll unser gemeinsamer Eifer darauf gerichtet sein, nach einem guten Anfang nicht nachzulassen, noch angesichts der Schwierigkeiten den Mut zu verlieren. Lasst uns nicht sagen: Wir haben schon lange Zeit in der Askese zugebracht. Vielmehr wollen wir, so als würden wir gerade erst anfangen, täglich unseren Eifer steigern. Denn das ganze menschliche Leben ist überaus kurz, wenn man es an der künftigen Ewigkeit misst; unsere ganze Zeitlichkeit ist nichts im Vergleich zum ewigen Leben. Jedes Ding in der Welt wird nach seinem Wert verkauft, und Gleiches tauscht man um Gleiches ein. Die Verheißung des ewigen Lebens aber wird um ein Geringes erworben. […]
Wenn wir auf Erden unseren Kampf gekämpft haben, dann werden wir unser Erbteil nicht auf dieser Erde erhalten, sondern im Himmel. Und wenn wir unseren vergänglichen Leib ablegen, werden wir ihn unvergänglich zurückerhalten. Wir wollen also nicht nachlassen, meine Kinder, und auch nicht meinen, dass wir schon so lange Zeit [in der Askese] ausharren oder etwas Großes tun. Denn „die Leiden der gegenwärtigen Zeit bedeuten nichts im Vergleich zu der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll“ (vgl. Röm 8,18). […] Daher wollen wir, meine Kinder, an der Askese festhalten und nicht nachlässig werden. Denn wir haben darin auch den Herrn als Mithelfer, wie geschrieben steht: „Einem jeden, der das Gute wählt, hilft Gott zum Guten“ (vgl. Röm 8,28).
Quelle: Evangelizo