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Wir können im Leben dieser Heiligen zwei Phasen unterscheiden. Die erste ist gekennzeichnet durch ihren Lebensstand als glücklich verheiratete Frau. Ihr Gatte hieß Ulf und war Landvogt einer bedeutenden Region des Königreichs Schweden. Die Ehe dauerte 28 Jahre, bis zu Ulfs Tod. Acht Kinder gingen daraus hervor, von denen die Zweitgeborene, Karin (Katharina), als Heilige verehrt wird. Das ist ein beredtes Zeichen für Birgittas Bemühungen um die Erziehung ihrer Kinder. […] Unter der geistlichen Leitung eines gebildeten Ordensmannes, der sie in das Studium der Heiligen Schrift einführte, übte Birgitta einen sehr positiven Einfluss auf ihre Familie aus, die dank ihrer Gegenwart zu einer wahren „Hauskirche“ wurde. Zusammen mit ihrem Ehemann nahm sie die Regel des Dritten Ordens der Franziskaner an. Sie verrichtete großherzige Werke der Nächstenliebe gegenüber den Bedürftigen und gründete auch ein Hospital. An der Seite seiner Gemahlin lernte Ulf, seinen Charakter zu verbessern und im christlichen Leben voranzuschreiten. Bei der Rückkehr von einer langen Pilgerreise nach Santiago de Compostela […] reifte in den Eheleuten das Vorhaben heran, in Enthaltsamkeit zu leben; aber kurz darauf beschloss Ulf im Frieden eines Klosters, in das er sich zurückgezogen hatte, sein irdisches Leben. Dieser erste Abschnitt von Birgittas Leben hilft uns, das besser schätzen zu lernen, was wir heute als wahre „Ehespiritualität“ bezeichnen könnten: Gemeinsam können die christlichen Eheleute einen Weg der Heiligkeit beschreiten, gestützt von der Gnade des Ehesakraments. Nicht selten ist es – wie im Leben der hl. Birgitta und des Ulf – die Frau, der es gelingt, mit ihrer religiösen Sensibilität, mit Einfühlsamkeit und Sanftheit den Ehemann einen Glaubensweg beschreiten zu lassen. Ich denke mit Anerkennung an die vielen Frauen, die Tag für Tag auch heute noch ihre Familien mit ihrem Zeugnis des christlichen Lebens erleuchten. Möge der Geist des Herrn auch heute die Heiligkeit der christlichen Eheleute erwecken, um der Welt die Schönheit der Ehe zu zeigen, die nach den Werten des Evangeliums gelebt wird: Liebe, Zärtlichkeit, gegenseitige Hilfe, Fruchtbarkeit in der Zeugung und Erziehung der Kinder, Öffnung und Solidarität gegenüber der Welt, Teilnahme am Leben der Kirche.
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Winzer. Jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, schneidet er ab, und jede Rebe, die Frucht bringt, reinigt er, damit sie mehr Frucht bringt. Ihr seid schon rein durch das Wort, das ich zu euch gesagt habe. Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch. Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann, sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt, so könnt auch ihr keine Frucht bringen, wenn ihr nicht in mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen. Wer nicht in mir bleibt, wird wie die Rebe weggeworfen, und er verdorrt. Man sammelt die Reben, wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen. Wenn ihr in mir bleibt und wenn meine Worte in euch bleiben, dann bittet um alles, was ihr wollt: Ihr werdet es erhalten. Mein Vater wird dadurch verherrlicht, dass ihr reiche Frucht bringt und meine Jünger werdet.
Ich will den Herrn allezeit preisen; immer sei sein Lob in meinem Mund. Meine Seele rühme sich des Herrn; die Armen sollen es hören und sich freuen. Verherrlicht mit mir den Herrn, lasst uns gemeinsam seinen Namen rühmen. Ich suchte den Herrn, und er hat mich erhört, er hat mich all meinen Ängsten entrissen. Blickt auf zu ihm, so wird euer Gesicht leuchten, und ihr braucht nicht zu erröten. Da ist ein Armer; er rief, und der Herr erhörte ihn. Er half ihm aus all seinen Nöten. Der Engel des Herrn umschirmt alle, die ihn fürchten und ehren, und er befreit sie. Kostet und seht, wie gütig der Herr ist; wohl dem, der zu ihm sich flüchtet! Fürchtet den Herrn, ihr seine Heiligen; denn wer ihn fürchtet, leidet keinen Mangel. Reiche müssen darben und hungern; wer aber den Herrn sucht, braucht kein Gut zu entbehren.
Brüder! Ich bin durch das Gesetz dem Gesetz gestorben, damit ich für Gott lebe. Ich bin mit Christus gekreuzigt worden; nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir. Soweit ich aber jetzt noch in dieser Welt lebe, lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich für mich hingegeben hat.
Nur der Gehörsinn kann die Wahrheit erfassen, denn er allein hört das Wort. […] „Rühre mich nicht an“ (vgl. Joh 20,17), sagt der Herr, das heißt: Lass davon ab, deinen trügerischen Sinnen zu vertrauen, stütze dich auf meine Worte, gewöhne dich an den Glauben! Der Glaube kann nicht irren, er erfasst die unsichtbaren Dinge und ist nicht der Unzulänglichkeit der Sinne unterworfen. Er überschreitet sogar die Beschränktheit der menschlichen Vernunft, die Gesetzmäßigkeiten der Natur, die Grenzen der Erfahrbarkeit. Warum willst du von deinen Augen lernen, was sie nicht wissen können? Und warum strebt deine Hand danach, zu ertasten, was sie niemals fassen kann? Was Hand und Augen über mich kundtun, ist sehr wenig. Allein dem Glauben steht es zu, sich über mich zu äußern, ohne meine Erhabenheit zu schmälern. Lerne, mit größerer Gewissheit zu glauben und mit größerem Vertrauen dem Folge zu leisten, was der Glaube dir sagt. „Rühre mich nicht an, denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen“ (vgl. Joh 20,17). Wie sollte oder könnte er sich denn berühren lassen, wenn er aufgestiegen ist?! – Ja, zweifellos: Er kann berührt werden, aber nur mit dem Herzen, nicht mit den Händen; mit der Sehnsucht, nicht mit den Augen; mit dem Glauben, nicht mit den Sinnen. „Warum“, sagt er, „versuchst du mich jetzt zu berühren […]? Erinnerst du dich nicht daran, dass, als ich noch sterblich war, die Augen meiner Jünger die Herrlichkeit meines verklärten Leibes nicht ertragen konnten, während er doch noch sterblich war? Ich erweise dir jetzt noch die Gunst, dass du mich in meiner Knechtsgestalt (vgl. Phil 2,7) sehen kannst, doch meine Herrlichkeit entzieht mich dir von nun an. […] Halte also dein Urteil zurück […], überlass dem Glauben die Erhellung eines so großen Geheimnisses. […] Um würdig zu sein, mich zu berühren, ist es erforderlich, dass du mich betrachtest, wie ich zur Rechten meines Vaters sitze (vgl. Mk 16,19; Ps 110(109),1): nicht mehr in meinem erniedrigten Zustand, sondern in meiner Verherrlichung. Es ist immer noch derselbe Leib, aber in einer anderen Erscheinung. Warum willst du mich in meiner ‚Hässlichkeit‘ berühren? Warte, bis du mich in meiner Schönheit berühren kannst.“
Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war. Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Man hat den Herrn aus dem Grab weggenommen, und wir wissen nicht, wohin man ihn gelegt hat. Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Während sie weinte, beugte sie sich in die Grabkammer hinein. Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, den einen dort, wo der Kopf, den anderen dort, wo die Füße des Leichnams Jesu gelegen hatten. Die Engel sagten zu ihr: Frau, warum weinst du? Sie antwortete ihnen: Man hat meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wohin man ihn gelegt hat. Als sie das gesagt hatte, wandte sie sich um und sah Jesus dastehen, wusste aber nicht, dass es Jesus war. Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du? Sie meinte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast. Dann will ich ihn holen. Jesus sagte zu ihr: Maria! Da wandte sie sich ihm zu und sagte auf hebräisch zu ihm: Rabbuni!, das heißt: Meister. Jesus sagte zu ihr: Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern, und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott. Maria von Magdala ging zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie richtete aus, was er ihr gesagt hatte.
Gott, du mein Gott, dich suche ich, meine Seele dürstet nach dir. Nach dir schmachtet mein Leib wie dürres, lechzendes Land ohne Wasser. Darum halte ich Ausschau nach dir im Heiligtum, um deine Macht und Herrlichkeit zu sehen. Denn deine Huld ist besser als das Leben; darum preisen dich meine Lippen. Ich will dich rühmen mein Leben lang, in deinem Namen die Hände erheben. Wie an Fett und Mark wird satt meine Seele, mit jubelnden Lippen soll mein Mund dich preisen. Ich denke an dich auf nächtlichem Lager und sinne über dich nach, wenn ich wache. Ja, du wurdest meine Hilfe; jubeln kann ich im Schatten deiner Flügel.
So spricht die Braut: Des Nachts auf meinem Lager suchte ich ihn, den meine Seele liebt. Ich suchte ihn und fand ihn nicht. Aufstehen will ich, die Stadt durchstreifen, die Gassen und Plätze, ihn suchen, den meine Seele liebt. Ich suchte ihn und fand ihn nicht. Mich fanden die Wächter bei ihrer Runde durch die Stadt. Habt ihr ihn gesehen, den meine Seele liebt? Kaum war ich an ihnen vorüber, fand ich ihn, den meine Seele liebt. Ich packte ihn, ließ ihn nicht mehr los, bis ich ihn ins Haus meiner Mutter brachte, in die Kammer derer, die mich geboren hat.
So wie – nach dem Wort der Väter – die ganze Kraft der Gesetze und Gebote, die Gott den Menschen gegeben hat, in der Reinheit des Herzens ihre Erfüllung findet, so finden alle Weisen und Formen, in denen die Menschen zu Gott beten, ihre Erfüllung im reinen Gebet. Seufzen, sich zu Boden werfen, Flehen, Klagen: Alle Formen, die das Gebet annehmen kann, finden tatsächlich im reinen Gebet ihr Ende. […] Das Denken hat nichts mehr, woran es sich halten kann: weder Bitte noch [Gemüts-] Bewegung, weder Klage noch Kraftanstrengung, weder Freiheit noch Flehen, weder Verlangen noch Freude an dem, was sich die Seele in diesem Leben oder in der kommenden Welt erhoffen könnte. Nach dem reinen Gebet gibt es kein weiteres Gebet. […] Jenseits dieser Grenze gibt es nur noch Staunen, aber kein Gebet mehr; das Gebet hört auf, und die Kontemplation beginnt. […] Das Gebet ist die Aussaat – die Kontemplation ist die Ernte der Garben. Der Schnitter staunt, da er das Unaussprechliche sieht: Wie konnten aus den kleinen, nackten Körnern, die er gesät hat, auf einmal so blühende Ähren vor ihm sprießen? Der Anblick seiner Ernte macht ihn sprachlos. […] So wie es kaum einen Menschen unter vielen Tausenden gibt, der die Gebote und die Dinge des Gesetzes etwas weniger schlecht erfüllen und so die Reinheit der Seele erlangen kann, so gibt es auch nur einen Menschen unter Tausenden, der würdig ist, durch große Wachsamkeit das reine Gebet zu erlangen, die Grenze zu überschreiten und dieses Geheimnis zu entdecken. Denn es ist nicht vielen, sondern nur wenigen gegeben, das reine Gebet zu erfahren.
An jenem Tag verließ Jesus das Haus und setzte sich an das Ufer des Sees. Da versammelte sich eine große Menschenmenge um ihn. Er stieg deshalb in ein Boot und setzte sich; die Leute aber standen am Ufer. Und er sprach lange zu ihnen in Form von Gleichnissen. Er sagte: Ein Sämann ging aufs Feld, um zu säen. Als er säte, fiel ein Teil der Körner auf den Weg, und die Vögel kamen und fraßen sie. Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden, wo es nur wenig Erde gab, und ging sofort auf, weil das Erdreich nicht tief war; als aber die Sonne hochstieg, wurde die Saat versengt und verdorrte, weil sie keine Wurzeln hatte. Wieder ein anderer Teil fiel in die Dornen, und die Dornen wuchsen und erstickten die Saat. Ein anderer Teil schließlich fiel auf guten Boden und brachte Frucht, teils hundertfach, teils sechzigfach, teils dreißigfach. Wer Ohren hat, der höre!