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Lehre mich Erkenntnis und rechtes Urteil! Ich vertraue auf deine Gebote. Du bist gut und wirkst Gutes. Lehre mich deine Gesetze! Tröste mich in deiner Huld, wie du es deinem Knecht verheißen hast. Dein Erbarmen komme über mich, damit ich lebe; denn deine Weisung macht mich froh. Nie will ich deine Befehle vergessen; denn durch sie schenkst du mir Leben. Ich bin dein, errette mich! Ich frage nach deinen Befehlen.
Brüder! Ich weiß, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt; das Wollen ist bei mir vorhanden, aber ich vermag das Gute nicht zu verwirklichen. Denn ich tue nicht das Gute, das ich will, sondern das Böse, das ich nicht will. Wenn ich aber das tue, was ich nicht will, dann bin nicht mehr ich es, der so handelt, sondern die in mir wohnende Sünde. Ich stoße also auf das Gesetz, dass in mir das Böse vorhanden ist, obwohl ich das Gute tun will. Denn in meinem Innern freue ich mich am Gesetz Gottes, ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das mit dem Gesetz meiner Vernunft im Streit liegt und mich gefangenhält im Gesetz der Sünde, von dem meine Glieder beherrscht werden. Ich unglücklicher Mensch! Wer wird mich aus diesem dem Tod verfallenen Leib erretten? Dank sei Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn! Es ergibt sich also, daß ich mit meiner Vernunft dem Gesetz Gottes diene, mit dem Fleisch aber dem Gesetz der Sünde.
Das Leben der Vereinigung mit Gott und der vertrauensvollen Hingabe erzeugt als eine der edelsten Früchte ein beständiges Liebesfeuer in der Seele, und zwar der Liebe Gottes sowohl wie des Nächsten. Dem Feuerherd der wesenhaften Liebe immer so nah, erglüht die Seele von Eifer für die Interessen und die Verherrlichung Gottes, für die Ausbreitung des Reiches Christi in den Menschenherzen. Das wahre innere Leben verpflichtet uns Gott, aber auch den Seelen und ist somit die Quelle wahren Eifers. Wer in der Tat Gott wahrhaft liebt, der wünscht, dass ihn auch andere lieben, dass „sein Name geheiligt werde, sein Reich zu uns komme, sein Wille geschehe wie im Himmel also auch auf Erden“ (Mt 6,9f.). Eine wahrhaft gottliebende Seele empfindet zutiefst alle Unbilden, die Gott zugefügt werden, den sie liebt. „Unmut erfasst sie wegen der Sünder, die Gottes Gebot übertreten“ (Ps 118,53 Vg.). Sie leidet unter dem Gedanken, dass das Reich der Bosheit durch die Sünde sich immer mehr ausbreitet; denn „der Teufel geht umher und sucht, wen er verschlinge“ (1 Petr 5,8). Er hat Helfershelfer, denen er unaufhörlich feuriges Gift einbläst, eifernden Hass gegen die Glieder Jesu Christi. Auch die Seele, die Gott aufrichtig liebt, ist von Eifer verzehrt, aber „von Eifer für das Haus des Herrn“ (Ps 68,10 Vg.; Joh 2,17). Was ist unter diesem Eifer zu verstehen? Er ist eine Glut, die brennt und sich mitteilt, die sich verzehrt und ausbreitet. Er ist die innerlich lohende Flamme der Liebe – oder des Hasses –, die sich durch die Tat nach außen kundgibt. Eine Seele, die von wahrem Eifer durchglüht ist, opfert sich in selbstloser Weise auf für die Interessen Gottes. Sie sucht ihnen nach besten Kräften zu dienen. Je stärker dieses Feuer des Eifers im Innern glüht, umso mehr erstrahlt es auch nach außen hin. Eine solche Seele ist belebt von dem „Feuer, das Christus auf die Erde gebracht hat, und von dem er sehnlichst wünscht, dass es uns alle entflamme“ (Lk 12,40).
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen! Ich muss mit einer Taufe getauft werden, und ich bin sehr bedrückt, solange sie noch nicht vollzogen ist. Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen? Nein, sage ich euch, nicht Frieden, sondern Spaltung. Denn von nun an wird es so sein: Wenn fünf Menschen im gleichen Haus leben, wird Zwietracht herrschen: Drei werden gegen zwei stehen und zwei gegen drei, der Vater gegen den Sohn und der Sohn gegen den Vater, die Mutter gegen die Tochter und die Tochter gegen die Mutter, die Schwiegermutter gegen ihre Schwiegertochter und die Schwiegertochter gegen die Schwiegermutter.
Wohl dem Mann, der nicht dem Rat der Frevler folgt, nicht auf dem Weg der Sünder geht, nicht im Kreis der Spötter sitzt, sondern Freude hat an der Weisung des Herrn, über seine Weisung nachsinnt bei Tag und bei Nacht. Er ist wie ein Baum, der an Wasserbächen gepflanzt ist, der zur rechten Zeit seine Frucht bringt und dessen Blätter nicht welken. Alles, was er tut, wird ihm gut gelingen. Nicht so die Frevler: Sie sind wie Spreu, die der Wind verweht. Denn der Herr kennt den Weg der Gerechten, der Weg der Frevler aber führt in den Abgrund.
Brüder! Wegen eurer Schwachheit rede ich nach Menschenweise: Wie ihr eure Glieder in den Dienst der Unreinheit und der Gesetzlosigkeit gestellt habt, so dass ihr gesetzlos wurdet, so stellt jetzt eure Glieder in den Dienst der Gerechtigkeit, so dass ihr heilig werdet. Denn als ihr Sklaven der Sünde wart, da wart ihr der Gerechtigkeit gegenüber frei. Welchen Gewinn hattet ihr damals? Es waren Dinge, deren ihr euch jetzt schämt; denn sie bringen den Tod. Jetzt, da ihr aus der Macht der Sünde befreit und zu Sklaven Gottes geworden seid, habt ihr einen Gewinn, der zu eurer Heiligung führt und das ewige Leben bringt. Denn der Lohn der Sünde ist der Tod, die Gabe Gottes aber ist das ewige Leben in Christus Jesus, unserem Herrn.
Das wirksamste Heilmittel für das menschliche Herz ist die Geduld, nach einem Wort von Salomo: „Ein sanftmütiger Mann ist ein Arzt für das Herz“ (Spr 14,30 LXX). Nicht nur Zorn, Traurigkeit, Faulheit, Prahlerei oder Stolz werden dadurch ausgerottet, sondern auch die Wollust und alle Laster zugleich. „Langmut“, so sagt Salomon weiter, „gewährt Königen Erfolg“ (vgl. Spr 25,15 LXX). Derjenige, der immer sanftmütig und ruhig ist, wird nicht vom Zorn entflammt, verzehrt sich nicht in den Qualen der Langeweile und Traurigkeit, verliert sich nicht in vergeblichem Streben nach eitlem Ruhm und bläht sich nicht auf im Stolz: „Reich an Frieden sind, die den Namen des Herrn lieben; und es gibt für sie keinen Anstoß“ (vgl. Ps 118(119),165 Vg) Der Weise hat wahrhaftig recht, wenn er sagt: „Besser ein langmütiger Mann als ein starker, wer über seinen Zorn siegt, ist besser, als wer eine Stadt einnimmt“ (Spr 16,32 LXX). Aber bis wir diesen festen und dauerhaften Frieden erreichen, müssen wir mit vielen Angriffen rechnen. Oft werden wir unter Tränen und Seufzen sagen müssen: „Ich bin elend geworden, und überaus gebeugt; den ganzen Tag gehe ich trauernd einher. Denn voll von Schmach sind meine Lenden“ (Ps 37(38),7–8 Vg). […] Bis die Seele den Zustand vollkommener Reinheit erreicht hat, wird sie häufig diese wechselnden Zustände durchlaufen, die für ihre Formung notwendig sind; bis schließlich die Gnade Gottes ihr Verlangen erfüllt und sie für immer festigt. Dann wird sie in Wahrheit sagen können: „Sehnsüchtig harrte ich auf den Herrn, und er merkte auf mich. Und er erhörte mein Gebet, und zog mich heraus aus der Grube des Elends, aus schlammigem Kote; und stellte meine Füße auf einen Felsengrund, und machte meine Schritte sicher“ (vgl. Ps 39(40),2–3 Vg).
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Bedenkt: Wenn der Herr des Hauses wüsste, in welcher Stunde der Dieb kommt, so würde er verhindern, dass man in sein Haus einbricht. Haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet. Da sagte Petrus: Herr, meinst du mit diesem Gleichnis nur uns oder auch all die anderen? Der Herr antwortete: Wer ist denn der treue und kluge Verwalter, den der Herr einsetzen wird, damit er seinem Gesinde zur rechten Zeit die Nahrung zuteilt? Selig der Knecht, den der Herr damit beschäftigt findet, wenn er kommt! Wahrhaftig, das sage ich euch: Er wird ihn zum Verwalter seines ganzen Vermögens machen. Wenn aber der Knecht denkt: Mein Herr kommt noch lange nicht zurück!, und anfängt, die Knechte und Mägde zu schlagen; wenn er isst und trinkt und sich berauscht, dann wird der Herr an einem Tag kommen, an dem der Knecht es nicht erwartet, und zu einer Stunde, die er nicht kennt; und der Herr wird ihn in Stücke hauen und ihm seinen Platz unter den Ungläubigen zuweisen. Der Knecht, der den Willen seines Herrn kennt, sich aber nicht darum kümmert und nicht danach handelt, der wird viele Schläge bekommen. Wer aber, ohne den Willen des Herrn zu kennen, etwas tut, was Schläge verdient, der wird wenig Schläge bekommen. Wem viel gegeben wurde, von dem wird viel zurückgefordert werden, und wem man viel anvertraut hat, von dem wird man um so mehr verlangen.
Hätte sich nicht der Herr für uns eingesetzt - so soll Israel sagen -, hätte sich nicht der Herr für uns eingesetzt, als sich gegen uns Menschen erhoben, dann hätten sie uns lebendig verschlungen, als gegen uns ihr Zorn entbrannt war. Dann hätten die Wasser uns weggespült, hätte sich über uns ein Wildbach ergossen. Dann hätten sich über uns die Wasser ergossen, die wilden und wogenden Wasser. Gelobt sei der Herr, der uns nicht ihren Zähnen als Beute überließ. Unsre Seele ist wie ein Vogel dem Netz des Jägers entkommen; das Netz ist zerrissen, und wir sind frei. Unsre Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.
Brüder! Die Sünde soll euren sterblichen Leib nicht mehr beherrschen, und seinen Begierden sollt ihr nicht gehorchen. Stellt eure Glieder nicht der Sünde zur Verfügung als Waffen der Ungerechtigkeit, sondern stellt euch Gott zur Verfügung als Menschen, die vom Tod zum Leben gekommen sind, und stellt eure Glieder als Waffen der Gerechtigkeit in den Dienst Gottes. Die Sünde soll nicht über euch herrschen; denn ihr steht nicht unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade. Heißt das nun, dass wir sündigen dürfen, weil wir nicht unter dem Gesetz stehen, sondern unter der Gnade? Keineswegs! Ihr wisst doch: Wenn ihr euch als Sklaven zum Gehorsam verpflichtet, dann seid ihr Sklaven dessen, dem ihr gehorchen müsst; ihr seid entweder Sklaven der Sünde, die zum Tod führt, oder des Gehorsams, der zur Gerechtigkeit führt. Gott aber sei Dank; denn ihr wart Sklaven der Sünde, seid jedoch von Herzen der Lehre gehorsam geworden, an die ihr übergeben wurdet. Ihr wurdet aus der Macht der Sünde befreit und seid zu Sklaven der Gerechtigkeit geworden.