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Meine Brüder, dieser unglückliche Zöllner saß in seinem Zollbüro und befand sich in einer schlimmeren Lage als der Gelähmte, von dem ich euch neulich erzählt habe, jener, der auf seinem Bett lag (vgl. Mk 2,1ff.). Der eine war gelähmt an seinem Leib, der andere an seiner Seele. Bei dem einen waren all seine Glieder entstellt; bei dem anderen war das gesamte Urteilsvermögen in Unordnung. Der eine lag da als Gefangener seines Fleisches; der andere saß da, gefangen an Leib und Seele. Der Gelähmte war unfreiwillig seinen Schmerzen unterworfen; der Zöllner dagegen war aus freien Stücken ein Sklave des Bösen und der Sünde. Letzterer war in seinen eigenen Augen unschuldig und wurde von anderen der Habgier beschuldigt; ersterer wusste inmitten seiner Verwundungen, dass er ein Sünder war. Der eine häufte Gewinn auf Gewinn an, und das war alles Sünde. Der andere tilgte seine Sünden, indem er in seinen Leiden seufzte. Deswegen waren sie gerechtfertigt, diese Worte an den Gelähmten: „Hab Vertrauen, mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben!“ Denn durch sein Leiden glich er seine Fehler aus. Was den Zöllner betrifft, so hörte er die Worte: „Folge mir nach!“, das heißt: „Du wirst Wiedergutmachung leisten, indem du mir nachfolgst, du, der du dich verirrt hast, indem du dem Geld nachgefolgt bist.“ Da kann nun einer sagen: „Warum empfängt der Zöllner, der anscheinend mehr Schuld auf sich geladen hat, eine höhere Gabe? Er wird sofort zum Apostel. […] Er selbst hat Vergebung empfangen und gewährt nun anderen die Vergebung ihrer Sünden; er erleuchtet die ganze Erde mit dem Licht der Verkündigung des Evangeliums. Was den Gelähmten betrifft, so wird er kaum für würdig befunden, nur die Vergebung zu erhalten.“ Willst du wissen, warum der Zöllner mehr Gnaden empfangen hat? Weil nach einem Wort des Apostels dort, wo „die Sünde mächtig wurde, die Gnade übergroß geworden“ ist (vgl. Röm 5,20).
In jener Zeit ging Jesus wieder hinaus an den See. Da kamen Scharen von Menschen zu ihm, und er lehrte sie. Als er weiterging, sah er Levi, den Sohn des Alphäus, am Zoll sitzen und sagte zu ihm: Folge mir nach! Da stand Levi auf und folgte ihm. Und als Jesus in seinem Haus beim Essen war, aßen viele Zöllner und Sünder zusammen mit ihm und seinen Jüngern; denn es folgten ihm schon viele. Als die Schriftgelehrten, die zur Partei der Pharisäer gehörten, sahen, dass er mit Zöllnern und Sündern aß, sagten sie zu seinen Jüngern: Wie kann er zusammen mit Zöllnern und Sündern essen? Jesus hörte es und sagte zu ihnen: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten.
An deiner Macht, Herr, freut sich der König; über deine Hilfe, wie jubelt er laut! Du hast ihm den Wunsch seines Herzens erfüllt, ihm nicht versagt, was seine Lippen begehrten. Du kamst ihm entgegen mit Segen und Glück, du kröntest ihn mit einer goldenen Krone. Leben erbat er von dir, du gabst es ihm, viele Tage, für immer und ewig. Groß ist sein Ruhm durch deine Hilfe, du hast ihn bekleidet mit Hoheit und Pracht. Du machst ihn zum Segen für immer; wenn du ihn anblickst, schenkst du ihm große Freude.
In jenen Tagen lebte in Benjamin ein Mann namens Kisch, ein Sohn Abiëls, des Sohnes Zerors, des Sohnes Bechorats, des Sohnes Afiachs, ein wohlhabender Benjaminiter. Er hatte einen Sohn namens Saul, der jung und schön war; kein anderer unter den Israeliten war so schön wie er; er überragte alle um Haupteslänge. Eines Tages verliefen sich die Eselinnen von Sauls Vater Kisch. Da sagte Kisch zu seinem Sohn Saul: Nimm einen von den Knechten, mach dich mit ihm auf den Weg, und such die Eselinnen! Sie durchquerten das Gebirge Efraim und durchstreiften das Gebiet von Schalischa, fanden sie aber nicht. Sie zogen durch das Gebiet von Schaalim - ohne Erfolg; dann durchwanderten sie das Land Jemini, fanden sie aber wieder nicht. Als Samuel Saul sah, sagte der Herr zu ihm: Das ist der Mann, von dem ich dir gesagt habe: Der wird über mein Volk herrschen. Saul trat mitten im Tor zu Samuel und fragte: Sag mir doch, wo das Haus des Sehers ist. Samuel antwortete Saul: Ich bin der Seher. Geh vor mir her zur Kulthöhe hinauf! Ihr sollt heute mit mir essen. Morgen früh will ich dich dann weiterziehen lassen. Ich werde dir Auskunft über alles geben, was du auf dem Herzen hast. Da nahm Samuel den Ölkrug und goss Saul das Öl auf das Haupt, küsste ihn und sagte: Hiermit hat der Herr dich zum Fürsten über sein Erbe gesalbt.
Jesus „kam in seine Stadt. Da brachte man auf einer Tragbahre einen Gelähmten zu ihm. Als Jesus“, so heißt es, „ihren Glauben sah, sagte er zu dem Gelähmten: Hab Vertrauen, mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben!“ (Mt 9,1–2). Der Gelähmte vernimmt das Wort „Vergebung“ und schweigt. Er äußert nicht ein Wort des Dankes, weil er mehr nach der Heilung seines Leibes als seiner Seele verlangte. So sehr beweinte er die Schmerzen seines entkräfteten Leibes, die doch nur eine Zeit dauerten, dass er die ewigen Strafen des Seelentodes nicht betrauerte; das zeigt, dass er das jetzige Leben höher einschätzte als das zukünftige. Mit Recht richtete daher der Herr sein Auge auf den Glauben derer, die den Kranken brachten, und sieht nicht auf die Verständnislosigkeit dessen, der daliegt, damit durch die Bitte fremden Glaubens die Seele des Gelähmten eher geheilt würde als der Leib. „Als Jesus ihren Glauben sah“, heißt es. Hier seht ihr, Brüder, dass Gott nicht den Wunsch der Toren sucht, nicht auf den Glauben der Unwissenden schaut, nicht die törichten Wünsche der Kranken erforscht, sondern dass er auf den Glauben eines anderen hin zu Hilfe kommt; denn aus bloßer Gnade spendete er [seine Hilfe], da er nicht verweigerte, was er mit seinem göttlichen Willen spenden wollte.
Als Jesus einige Tage später nach Kafarnaum zurückkam, wurde bekannt, dass er wieder zu Hause war. Und es versammelten sich so viele Menschen, dass nicht einmal mehr vor der Tür Platz war; und er verkündete ihnen das Wort. Da brachte man einen Gelähmten zu ihm; er wurde von vier Männern getragen. Weil sie ihn aber wegen der vielen Leute nicht bis zu Jesus bringen konnten, deckten sie dort, wo Jesus war, das Dach ab, schlugen die Decke durch und ließen den Gelähmten auf seiner Tragbahre durch die Öffnung hinab. Als Jesus ihren Glauben sah, sagte er zu dem Gelähmten: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben! Einige Schriftgelehrte aber, die dort saßen, dachten im Stillen: Wie kann dieser Mensch so reden? Er lästert Gott. Wer kann Sünden vergeben außer dem einen Gott? Jesus erkannte sofort, was sie dachten, und sagte zu ihnen: Was für Gedanken habt ihr im Herzen? Ist es leichter, zu dem Gelähmten zu sagen: Deine Sünden sind dir vergeben!, oder zu sagen: Steh auf, nimm deine Tragbahre, und geh umher? Ihr sollt aber erkennen, dass der Menschensohn die Vollmacht hat, hier auf der Erde Sünden zu vergeben. Und er sagte zu dem Gelähmten: Ich sage dir: Steh auf, nimm deine Tragbahre, und geh nach Hause! Der Mann stand sofort auf, nahm seine Tragbahre und ging vor aller Augen weg. Da gerieten alle außer sich; sie priesen Gott und sagten: So etwas haben wir noch nie gesehen.
Wohl dem Volk, das dich als König zu feiern weiß! Herr, sie gehen im Licht deines Angesichts. Sie freuen sich über deinen Namen zu jeder Zeit, über deine Gerechtigkeit jubeln sie. Denn du bist ihre Schönheit und Stärke, du erhöhst unsre Kraft in deiner Güte. Ja, unser Schild gehört dem Herrn, unser König dem heiligen Gott Israels.
In jenen Tagen versammelten sich alle Ältesten Israels und gingen zu Samuel nach Rama. Sie sagten zu ihm: Du bist nun alt, und deine Söhne gehen nicht auf deinen Wegen. Darum setze jetzt einen König bei uns ein, der uns regieren soll, wie es bei allen Völkern der Fall ist. Aber Samuel missfiel es, dass sie sagten: Gib uns einen König, der uns regieren soll. Samuel betete deshalb zum Herrn, und der Herr sagte zu Samuel: Hör auf die Stimme des Volkes in allem, was sie zu dir sagen. Denn nicht dich haben sie verworfen, sondern mich haben sie verworfen: Ich soll nicht mehr ihr König sein. Samuel teilte dem Volk, das einen König von ihm verlangte, alle Worte des Herrn mit. Er sagte: Das werden die Rechte des Königs sein, der über euch herrschen wird: Er wird eure Söhne holen und sie für sich bei seinen Wagen und seinen Pferden verwenden, und sie werden vor seinem Wagen herlaufen. Er wird sie zu Obersten über Abteilungen von Tausend und zu Führern über Abteilungen von Fünfzig machen. Sie müssen sein Ackerland pflügen und seine Ernte einbringen. Sie müssen seine Kriegsgeräte und die Ausrüstung seiner Streitwagen anfertigen. Eure Töchter wird er holen, damit sie ihm Salben zubereiten und kochen und backen. Eure besten Felder, Weinberge und Ölbäume wird er euch wegnehmen und seinen Beamten geben. Von euren Äckern und euren Weinbergen wird er den Zehnten erheben und ihn seinen Höflingen und Beamten geben. Eure Knechte und Mägde, eure besten jungen Leute und eure Esel wird er holen und für sich arbeiten lassen. Von euren Schafherden wird er den Zehnten erheben. Ihr selber werdet seine Sklaven sein. An jenem Tag werdet ihr wegen des Königs, den ihr euch erwählt habt, um Hilfe schreien, aber der Herr wird euch an jenem Tag nicht antworten. Doch das Volk wollte nicht auf Samuel hören, sondern sagte: Nein, ein König soll über uns herrschen. Auch wir wollen wie alle anderen Völker sein. Unser König soll uns Recht sprechen, er soll vor uns herziehen und soll unsere Kriege führen. Samuel hörte alles an, was das Volk sagte, und trug es dem Herrn vor. Und der Herr sagte zu Samuel: Hör auf ihre Stimme, und setz ihnen einen König ein! Da sagte Samuel zu den Israeliten: Geht heim, jeder in seine Stadt!
Die liebevolle Geste Jesu, der sich den Aussätzigen nähert, um sie zu trösten und zu heilen, findet ihren vollen, geheimnisvollen Ausdruck in seiner Passion. Jesus, gemartert und von Blutschweiß, Geißelung, Dornenkrönung und Kreuzigung entstellt, verlassen von denen, die nicht mehr an seine Wohltaten denken, identifiziert sich in seiner Passion mit den Aussätzigen; er wird zu ihrem Abbild und Symbol, so wie der Prophet Jesaja es intuitiv erkannte, als er das Geheimnis des Gottesknechtes betrachtete: „Er hatte keine schöne und edle Gestalt, so dass wir ihn anschauen mochten. […] Er wurde verachtet und von den Menschen gemieden […]. Wie einer, vor dem man das Gesicht verhüllt […] Wir meinten, er sei von Gott geschlagen, von ihm getroffen und gebeugt“ (Jes 53,2–4). Aber gerade aus den Wunden des geschundenen Leibes Jesu und aus der Kraft seiner Auferstehung entspringen Leben und Hoffnung für alle Menschen, die von Schmerzen und Krankheit heimgesucht sind. Die Kirche ist ihrem Auftrag, das Wort Christi zu verkünden, immer treu geblieben, verbunden mit konkreten Gesten solidarischer Barmherzigkeit gegenüber den Geringsten, den Letzten. Im Laufe der Jahrhunderte kam es zu einem Crescendo an erschütternder, außergewöhnlicher Hingabe zugunsten jener, die mit den widerwärtigsten Krankheiten der Menschheit behaftet waren. Aus der Geschichte wird klar ersichtlich, dass die Christen die ersten waren, die sich mit dem Problem der Aussätzigen befassten. Das Beispiel Christi hatte Schule gemacht, es trug viele Früchte in Form von Gesten der Solidarität, der Hingabe, der Großzügigkeit und selbstloser Nächstenliebe.
In jener Zeit kam ein Aussätziger zu Jesus und bat ihn um Hilfe; er fiel vor ihm auf die Knie und sagte: Wenn du willst, kannst du machen, dass ich rein werde. Jesus hatte Mitleid mit ihm; er streckte die Hand aus, berührte ihn und sagte: Ich will es - werde rein! Im gleichen Augenblick verschwand der Aussatz, und der Mann war rein. Jesus schickte ihn weg und schärfte ihm ein: Nimm dich in acht! Erzähl niemand etwas davon, sondern geh, zeig dich dem Priester und bring das Reinigungsopfer dar, das Mose angeordnet hat. Das soll für sie ein Beweis meiner Gesetzestreue sein. Der Mann aber ging weg und erzählte bei jeder Gelegenheit, was geschehen war; er verbreitete die ganze Geschichte, so dass sich Jesus in keiner Stadt mehr zeigen konnte; er hielt sich nur noch außerhalb der Städte an einsamen Orten auf. Dennoch kamen die Leute von überallher zu ihm.