Home | Tagesevangelium
In jener Zeit kehrten die Zweiundsiebzig zurück und berichteten voll Freude: Herr, sogar die Dämonen gehorchen uns, wenn wir deinen Namen aussprechen. Da sagte er zu ihnen: Ich sah den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen. Seht, ich habe euch die Vollmacht gegeben, auf Schlangen und Skorpione zu treten und die ganze Macht des Feindes zu überwinden. Nichts wird euch schaden können. Doch freut euch nicht darüber, dass euch die Geister gehorchen, sondern freut euch darüber, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind. In dieser Stunde rief Jesus, vom Heiligen Geist erfüllt, voll Freude aus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast. Ja, Vater, so hat es dir gefallen. Mir ist von meinem Vater alles übergeben worden; niemand weiß, wer der Sohn ist, nur der Vater, und niemand weiß, wer der Vater ist, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will. Jesus wandte sich an die Jünger und sagte zu ihnen allein: Selig sind die, deren Augen sehen, was ihr seht. Ich sage euch: Viele Propheten und Könige wollten sehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen, und wollten hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört.
Lehre mich Erkenntnis und rechtes Urteil! Ich vertraue auf deine Gebote. Dass ich gedemütigt wurde, war für mich gut; denn so lernte ich deine Gesetze. Herr, ich weiß, dass deine Entscheide gerecht sind; du hast mich gebeugt, weil du treu für mich sorgst. Nach deiner Ordnung bestehen sie bis heute, und dir ist alles dienstbar. Ich bin dein Knecht. Gib mir Einsicht, damit ich verstehe, was du gebietest. Die Erklärung deiner Worte bringt Erleuchtung, den Unerfahrenen schenkt sie Einsicht.
Gott treibt den Menschen an, sich von der Sünde zu erheben; dann erleuchtet er mit dem Licht des Glaubens den Verstand und entfacht, indem er den Menschen gewissermaßen daran Geschmack finden lässt, den Willen. All das vollbringt Gott in einem einzigen Augenblick, wenngleich wir, um es auszudrücken, vieler Worte und einer entsprechenden Zeitspanne bedürfen. Dieses Werk bringt Gott in den Menschen mehr oder weniger hervor, je nach der Frucht, die er voraussieht. Jedem Menschen wird Licht und Gnade geschenkt, damit er, wenn er tut, was in seiner Macht steht, sich selbst einfach dadurch retten kann, dass er seine Zustimmung gibt. Diese Zustimmung geschieht auf folgende Weise: Wenn Gott sein Werk vollbracht hat, genügt es, dass der Mensch sagt: „Ich bin zufrieden, Herr, tu mit mir, was dir gefällt; ich bin entschlossen, nie mehr zu sündigen und um deiner Liebe willen alles auf der Welt zu lassen.“ Diese Zustimmung und dieser Willensakt geschehen so schnell, dass der Wille des Menschen mit dem Willen Gottes eins wird, ohne dass der Mensch selbst es wahrnimmt, zumal es in der Stille vor sich geht. Der Mensch erkennt diese Zustimmung nicht, doch es bleibt ihm ein innerer Eindruck, der ihn dazu drängt, Folge zu leisten. Dabei wird sein Herz so entflammt, dass er wie betäubt und verblüfft sich nichts anderem zuwenden kann. Durch diese geistige Vereinigung ist der Mensch mit einem geradezu unauflöslichen Band an Gott gebunden, weil Gott, da er die Zustimmung des Menschen angenommen hat, fast alles tut. Wenn der Mensch sich führen lässt, reinigt Gott ihn und geleitet ihn zu der Vollkommenheit, die er ihm zugedacht hat.
In jener Zeit sprach Jesus: Weh dir, Chorazin! Weh dir, Betsaida! Wenn einst in Tyrus und Sidon die Wunder geschehen wären, die bei euch geschehen sind - man hätte dort in Sack und Asche Buße getan. Tyrus und Sidon wird es beim Gericht nicht so schlimm ergehen wie euch. Und du, Kafarnaum, meinst du etwa, du wirst bis zum Himmel erhoben? Nein, in die Unterwelt wirst du hinabgeworfen. Wer euch hört, der hört mich, und wer euch ablehnt, der lehnt mich ab; wer aber mich ablehnt, der lehnt den ab, der mich gesandt hat.
Herr, du hast mich erforscht und du kennst mich. Ob ich sitze oder stehe, du weißt von mir. Von fern erkennst du meine Gedanken. Ob ich gehe oder ruhe, es ist dir bekannt; du bist vertraut mit all meinen Wegen. Wohin könnte ich fliehen vor deinem Geist, wohin mich vor deinem Angesicht flüchten? Steige ich hinauf in den Himmel, so bist du dort; bette ich mich in der Unterwelt, bist du zugegen. Nehme ich die Flügel des Morgenrots und lasse mich nieder am äußersten Meer, auch dort wird deine Hand mich ergreifen und deine Rechte mich fassen. Denn du hast mein Inneres geschaffen, mich gewoben im Schoß meiner Mutter. Ich danke dir, dass du mich so wunderbar gestaltet hast. Ich weiß: Staunenswert sind deine Werke.
Wir feiern heute das Fest der heiligen Engel. […] Doch was können wir über diese himmlischen Geister sagen? Dies ist unser Glaube: Wir glauben, dass sie sich der Gegenwart und der Schau Gottes erfreuen, dass sie eine Glückseligkeit ohne Ende genießen, jene Güter des Herrn also, die „kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, und die in keines Menschen Sinn gekommen sind“ (vgl. 1 Kor 2,9). Was kann ein einfacher Sterblicher darüber zu anderen Sterblichen sagen, unfähig, wie er ist, solche Dinge zu begreifen? […] Wenn es auch unmöglich ist, über die Herrlichkeit der heiligen Engel bei Gott zu sprechen, können wir zumindest über die Freundlichkeit und Liebe sprechen, die sie uns gegenüber an den Tag legen, denn sie sind nicht nur mit einer unvergleichlichen Würde ausgestattet, sondern auch mit einer Dienstbereitschaft voller Güte. […] Wenn wir ihre Herrlichkeit auch nicht begreifen können, so halten wir uns umso mehr an die Barmherzigkeit, mit der diese Gott so nahestehenden Wesen erfüllt sind, diese Himmelsbürger und Fürsten des Paradieses. Der Apostel Paulus selbst, der mit eigenen Augen den himmlischen Hof geschaut hat, und seine Geheimnisse kannte (vgl. 2 Kor 12,2), bezeugt uns, dass „sie alle dienende Geister sind, ausgesandt, um denen zu helfen, die das Heil erben sollen“ (vgl. Hebr 1,14). Seht darin nichts Unerhörtes, denn der Schöpfer, der König der Engel selbst „ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele“ (Mk 10,45). Welcher Engel würde also einen solchen Dienst verschmähen, worin ihm derjenige zuvorgekommen ist, dem die Engel im Himmel mit Eifer und Freude dienen!
In jener Zeit sah Jesus Natanaël auf sich zukommen und sagte über ihn: Da kommt ein echter Israelit, ein Mann ohne Falschheit. Natanaël fragte ihn: Woher kennst du mich? Jesus antwortete ihm: Schon bevor dich Philippus rief, habe ich dich unter dem Feigenbaum gesehen. Natanaël antwortete ihm: Rabbi, du bist der Sohn Gottes, du bist der König von Israel! Jesus antwortete ihm: Du glaubst, weil ich dir sagte, dass ich dich unter dem Feigenbaum sah? Du wirst noch Größeres sehen. Und er sprach zu ihm: Amen, amen, ich sage euch: Ihr werdet den Himmel geöffnet und die Engel Gottes auf- und niedersteigen sehen über dem Menschensohn.
Ich will dir danken mit meinem ganzem Herzen, dir vor den Engeln singen und spielen; Ich will mich niederwerfen zu deinem heiligen Tempel hin, will deinem Namen danken für deine Huld und für deine Treue. Denn du hast dein Wort größer gemacht als deinen ganzen Namen. Am Tag, da ich rief, gabst du mir Antwort, du weckst Kraft in meiner Seele. Dir, HERR, sollen alle Könige der Erde danken, wenn sie die Worte deines Mundes hören. Sie sollen singen auf den Wegen des HERRN. Die Herrlichkeit des HERRN ist gewaltig.
Der Sohn des höchsten Vaters fand so Gefallen an deiner Schönheit (Weish 8,2); […] und in allem fand er dich ganz treu. Bevor er nämlich aus seinem lichtvollen Vaterhaus auf die Erde kam, hast du ihm eine gebührende Stätte bereitet, einen Thron, auf dem er sitze, und ein Gemach, in dem er ruhe, die ärmste Jungfrau, aus der geboren er dieser Welt erstrahlte. Bei seiner Geburt hast du dich treu bei ihm eingefunden, auf dass er in dir, nicht im Prunk, den ihm genehmen Platz finde. Er wurde, sagt der Evangelist, in eine Krippe gelegt, weil in der Herberge kein Platz für ihn war (Lk 2,7). Und so hast du ihn begleitet, ohne dich je von ihm zu trennen. Damals erschien er auf Erden und hielt sich unter den Menschen auf (Bar 3,38). Und obwohl die Füchse Höhlen haben und die Vögel des Himmels Nester, hatte er trotzdem keinen Ort, wohin er sein Haupt legen konnte (Mt 8,20). Als er dann seinen Mund öffnete zu lehren, er, der einst der Propheten Mund geöffnet hatte, hat er unter dem vielen, das er sprach, dich zuerst gelobt, dich zuerst gepriesen mit den Worten: Selig, die arm sind vor Gott, denn ihnen gehört das Himmelreich (Mt 5,3). Als er aber einige notwendige Zeugen für seine heilige Verkündigung und sein glorreiches Leben zum Heile des Menschengeschlechtes erwählte, wählte er in der Tat keine reichen Kaufleute, sondern arme Fischer, um durch solche Hochschätzung zu zeigen, du müsstest von allen geliebt werden. Schließlich sollte allen offenbar werden deine Güte, deine Hochherzigkeit, deine Tapferkeit und deine Würde, wie du alle Tugenden übertriffst, wie ohne dich keine Tugend bestehen kann und wie dein Königtum nicht von dieser Welt ist (Joh 18,36), sondern vom Himmel: Du allein bist damals dem König der Herrlichkeit verbunden geblieben, als alle seine Erwählten und Geliebten ihn furchtsam verließen. Du aber, treueste Braut, seine vielgeliebte Freundin, bist nicht einen Augenblick von ihm gewichen. Im Gegenteil, du warst ihm dann desto mehr verbunden, je mehr du ihn von allen verachtet sahst. […] Du allein brachtest ihm Trost. Du hast ihn nicht im Stich gelassen bis zum Tode, ja bis zum Tod am Kreuze (Phil 2,8). Und am Kreuze selbst, als sein Leib schon entblößt war, seine Arme ausgespannt und seine Hände und Füße durchbohrt waren, hast du mit ihm gelitten, und zwar so sehr, dass nichts an ihm herrlicher erschien als du.
In jener Zeit als Jesus und seine Jünger auf ihrem Weg weiterzogen, redete ein Mann Jesus an und sagte: Ich will dir folgen, wohin du auch gehst. Jesus antwortete ihm: Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann. Zu einem anderen sagte er: Folge mir nach! Der erwiderte: Lass mich zuerst heimgehen und meinen Vater begraben. Jesus sagte zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh und verkünde das Reich Gottes! Wieder ein anderer sagte: Ich will dir nachfolgen, Herr. Zuvor aber lass mich von meiner Familie Abschied nehmen. Jesus erwiderte ihm: Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes.