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Brüder! Als Diener Christi soll man uns betrachten und als Verwalter von Geheimnissen Gottes. Von Verwaltern aber verlangt man, dass sie sich treu erweisen. Mir macht es allerdings nichts aus, wenn ihr oder ein menschliches Gericht mich zur Verantwortung zieht; ich urteile auch nicht über mich selbst. Ich bin mir zwar keiner Schuld bewusst, doch bin ich dadurch noch nicht gerecht gesprochen; der Herr ist es, der mich zur Rechenschaft zieht. Richtet also nicht vor der Zeit; wartet, bis der Herr kommt, der das im Dunkeln Verborgene ans Licht bringen und die Absichten der Herzen aufdecken wird. Dann wird jeder sein Lob von Gott erhalten.
Als der Herr, im Boot sitzend, zu Petrus sagte: „Fahr hinaus auf den See, wo das Wasser am tiefsten ist! Dort werft eure Netze zum Fang aus!“, rät er ihm weniger, seine Fischernetze in die Tiefe des Wassers hinabzuwerfen, als vielmehr die Worte der Verkündigung in die Tiefen der Herzen hineinfallen zu lassen. In diesen Abgrund der Herzen ist der heilige Paulus vorgedrungen und warf das Wort hinein: „O Tiefe des Reichtums, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes!“ (Röm 11,33). […] So wie das Fischernetz in seinem Geflecht die gefangenen Fische zum Boot bringt, so führt der Glaube alle Menschen, die er gesammelt hat, in seinem Schoß zur Ruhe. Um weiterhin deutlich zu machen, dass der Herr vom geistlichen Fischfang sprach, sagt Petrus: „Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen. Doch wenn du es sagst, werde ich die Netze auswerfen“ (Lk 5,5). […] Der Logos, das Wort Gottes, ist der Herr, unser Erlöser. […] Da Petrus sein Fangnetz, dem Logos gehorsam, auswirft, verbreitet er überall – Christus getreu – seine kraftvolle Verkündigung. Er breitet die Netze aus, die nach der Weisung seines Meisters geknüpft sind; im Namen des Herrn wirft er Worte aus, die so klar und wirksam sind, dass durch sie nicht vernunftlose Geschöpfe, sondern Menschen gerettet werden können. „Wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen.“ Ja, Petrus hatte sich die ganze Nacht hindurch sehr abgemüht […]; als aber das Licht des Erlösers aufstrahlte, löste sich das Dunkel auf und sein Glaube ließ ihn in der tiefsten Tiefe des Wassers das erkennen, was seine Augen nicht zu sehen vermochten. Petrus hat wirklich unter der Nacht gelitten, bis der Tag, der Christus ist, ihm zu Hilfe kam. Das ist es, was den Apostel Paulus sagen lässt: „Die Nacht ist vorgerückt, der Tag ist nahe“ (Röm 13,12).
In jener Zeit, als Jesus am Ufer des Sees Gennesaret stand, drängte sich das Volk um ihn und wollte das Wort Gottes hören. und sah zwei Boote am See liegen. Die Fischer waren aus ihnen ausgestiegen und wuschen ihre Netze. Jesus stieg in eines der Boote, das dem Simon gehörte, und bat ihn, ein Stück weit vom Land wegzufahren. Dann setzte er sich und lehrte das Volk vom Boot aus. Als er seine Rede beendet hatte, sagte er zu Simon: Fahr hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus! Simon antwortete ihm: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen. Doch auf dein Wort hin werde ich die Netze auswerfen. Das taten sie und sie fingen eine große Menge Fische; ihre Netze aber drohten zu reißen. Und sie gaben ihren Gefährten im anderen Boot ein Zeichen, sie sollten kommen und ihnen helfen. Sie kamen und füllten beide Boote, sodass sie fast versanken. Als Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu Füßen und sagte: Geh weg von mir; denn ich bin ein sündiger Mensch, Herr! Denn Schrecken hatte ihn und alle seine Begleiter ergriffen über den Fang der Fische, den sie gemacht hatten; ebenso auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, die mit Simon zusammenarbeiteten. Da sagte Jesus zu Simon: Fürchte dich nicht! Von jetzt an wirst du Menschen fangen. Und sie zogen die Boote an Land, verließen alles und folgten ihm nach.
Dem Herrn gehört die Erde und was sie erfüllt, der Erdkreis und seine Bewohner. Denn er hat ihn auf Meere gegründet, ihn über Strömen befestigt. Wer darf hinaufziehn zum Berg des Herrn, wer darf stehn an seiner heiligen Stätte? Der reine Hände hat und ein lauteres Herz, der nicht betrügt und keinen Meineid schwört. Er wird Segen empfangen vom Herrn und Heil von Gott, seinem Helfer. Das sind die Menschen, die nach ihm fragen, die dein Antlitz suchen, Gott Jakobs.
Brüder! Keiner täusche sich selbst. Wenn einer unter euch meint, er sei weise in dieser Welt, dann werde er töricht, um weise zu werden. Denn die Weisheit dieser Welt ist Torheit vor Gott. In der Schrift steht nämlich: Er fängt die Weisen in ihrer eigenen List. Und an einer anderen Stelle: Der Herr kennt die Gedanken der Weisen; er weiß, sie sind nichtig. Daher soll sich niemand eines Menschen rühmen. Denn alles gehört euch; Paulus, Apollos, Kephas, Welt, Leben, Tod, Gegenwart und Zukunft: alles gehört euch; ihr aber gehört Christus, und Christus gehört Gott.
Wenn doch Gott, der allmächtige Vater, der Schöpfer einer geordneten und guten Welt, sich aller seiner Geschöpfe annimmt, warum gibt es dann das Böse? Jede vorschnelle Antwort auf diese ebenso bedrängende wie unvermeidliche, ebenso schmerzliche wie geheimnisvolle Frage wird unbefriedigt lassen. Der christliche Glaube als ganzer ist die Antwort auf diese Frage: Das Gutsein der Schöpfung, das Drama der Sünde, die geduldige Liebe Gottes, der dem Menschen entgegenkommt. Er tut dies durch seine Bundesschlüsse, durch die erlösende Menschwerdung seines Sohnes und die Gabe des Geistes; er tut es durch das Versammeln der Kirche und die Kraft der Sakramente; er tut es schließlich durch die Berufung zu einem glückseligen Leben. Die freien Geschöpfe sind im Voraus eingeladen, diese Berufung anzunehmen. Sie können diese aber auch – ein erschreckendes Mysterium – im Voraus ausschlagen. Es gibt kein Element der christlichen Botschaft, das nicht auch Antwort auf das Problem des Bösen wäre. Warum aber hat Gott nicht eine so vollkommene Welt erschaffen, dass es darin nichts Böses geben könnte? In seiner unendlichen Macht könnte Gott stets etwas Besseres schaffen (vgl. Thomas v. A., s. th. 1,25,6). In seiner unendlichen Weisheit und Güte jedoch wollte Gott aus freiem Entschluss eine Welt erschaffen, die „auf dem Weg“ zu ihrer letzten Vollkommenheit ist. Dieses Werden bringt nach Gottes Plan mit dem Erscheinen gewisser Daseinsformen das Verschwinden anderer, mit dem Vollkommenen auch weniger Vollkommenes mit sich, mit dem Aufbau auch den Abbau in der Natur. Solange die Schöpfung noch nicht zur Vollendung gelangt ist, gibt es mit dem physisch Guten folglich auch das physische Übel (vgl. Thomas v. A., s. gent. 3,71).
In jener Zeit verließ Jesus die Synagoge und ging in das Haus des Simon. Die Schwiegermutter des Simon hatte hohes Fieber, und sie baten ihn, ihr zu helfen. Er trat zu ihr hin, beugte sich über sie und befahl dem Fieber zu weichen. Da wich es von ihr, und sie stand sofort auf und sorgte für sie. Als die Sonne unterging, brachten die Leute ihre Kranken, die alle möglichen Leiden hatten, zu Jesus. Er legte jedem Kranken die Hände auf und heilte alle. Von vielen fuhren auch Dämonen aus und schrien: Du bist der Sohn Gottes! Da fuhr er sie schroff an und ließ sie nicht reden; denn sie wussten, dass er der Messias war. Bei Tagesanbruch verließ er die Stadt und ging an einen einsamen Ort. Aber die Menschen suchten ihn, und als sie ihn fanden, wollten sie ihn daran hindern wegzugehen. Er sagte zu ihnen: Ich muss auch den anderen Städten das Evangelium vom Reich Gottes verkünden; denn dazu bin ich gesandt worden. Und er predigte in den Synagogen Judäas.
Selig die Nation, deren Gott der HERR ist, das Volk, das er sich zum Erbteil erwählt hat. Der HERR blickt herab vom Himmel, er sieht alle Menschen. Von seinem Thronsitz schaut er nieder auf alle Bewohner der Erde. Der ihre Herzen gebildet hat, er achtet auf all ihre Taten. Unsre Seele hofft auf den HERRN; er ist unsre Hilfe und unser Schild. Ja, an ihm freut sich unser Herz, wir vertrauen auf seinen heiligen Namen.
Vor euch, Brüder, konnte ich aber nicht wie vor Geisterfüllten reden; ihr wart noch irdisch eingestellt, unmündige Kinder in Christus. Milch gab ich euch zu trinken statt fester Speise; denn diese konntet ihr noch nicht vertragen. Ihr könnt es aber auch jetzt noch nicht; denn ihr seid immer noch irdisch eingestellt. Oder seid ihr nicht irdisch eingestellt, handelt ihr nicht sehr menschlich, wenn Eifersucht und Streit unter euch herrschen? Denn wenn einer sagt: Ich halte zu Paulus!, ein anderer: Ich zu Apollos!, seid ihr da nicht Menschen? Was ist denn Apollos? Und was ist Paulus? Ihr seid durch sie zum Glauben gekommen. Sie sind also Diener, jeder, wie der Herr es ihm gegeben hat: Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen, Gott aber ließ wachsen. So ist weder der etwas, der pflanzt, noch der, der begießt, sondern nur Gott, der wachsen lässt. Wer pflanzt und wer begießt: beide arbeiten am gleichen Werk, jeder aber erhält seinen besonderen Lohn, je nach der Mühe, die er aufgewendet hat. Denn wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld, Gottes Bau.
Ich stelle euch nicht ein Gespinst unglaublicher Absonderlichkeiten vor Augen, sondern genau das, was die Propheten des Alten Testaments im Voraus geschrieben haben. Habt ihr nicht den Ruf des Mose gehört: „Einen Propheten wie dich will ich ihnen mitten unter ihren Brüdern erstehen lassen“? (Dt 18,18). Habt ihr nicht Jesaja rufen hören: „Die Jungfrau wird ein Kind empfangen, sie wird einen Sohn gebären“? (7,14) […] Habt ihr nicht David gehört: „Er ströme wie Regen herab auf das Vlies“? (vgl. Ps 71(72),6 Vulg.) […]. So glaubt doch den Propheten, begreift die Wirklichkeit, die sie ankündigen, und ihr werdet Jesus, den Nazoräer, finden (vgl. Mt 2,23). Seht, ich habe euch den Weg gezeigt; wer will, der folge ihm! Seht, ich habe die Fackel entzündet; kommt heraus aus der Finsternis! Jesus, der Nazoräer: Ich sage den Namen, ich sage auch den Heimatort. […] Ich sage nicht etwa: Jesus, der das Himmelsgewölbe ausspannte, der die Strahlen der Sonne entzündete, der die Sternbilder an den Himmel zeichnete, der die Lampe des Mondes anzündete, der dem Tag seine Zeit bestimmte, der der Nacht ihren Lauf zuwies, der die Erde über den Wassern gründete, der dem Meer seine Grenze setzte durch sein Wort. […] Jesus, der Nazoräer: der, den Nathanael meinte, als er zweifelnd ausrief: „Aus Nazaret? Kann von dort etwas Gutes kommen?“ (Joh 1,46). Der, vor dem die Schar der Dämonen zitternd rief: „Was haben wir mit dir zu tun, Jesus von Nazaret?“ „Jesus, den Nazoräer“, sagt der Apostel Petrus, „den Gott vor euch beglaubigt hat durch machtvolle Taten, Wunder und Zeichen“. […] Ja, „Jesus, den Nazoräer, den Gott vor euch beglaubigt hat“ (Apg 2,22).